Köln (sth). Die Politik fokussiert sich nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu sehr auf finanzielle Anreize, um das durchschnittliche Renteneintrittsalter zu erhöhen. Eine repräsentative Umfrage des IW unter gut 5000 Beschäftigten im April dieses Jahres habe gezeigt, dass vor allem “der Gesundheitszustand, das Wohlbefinden, das Engagement und die Weiterbildungsaffinität starke Treiber für die Bereitschaft sind, bis zum Renteneintrittsalter zu arbeiten”, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des arbeitgebernahen Forschungsinstituts. Durch die Studie werde deutlich, dass neben finanziellen Anreizen auch “eine Reihe nicht monetärer Stellschrauben existieren, die ein längeres Arbeiten im fortgeschrittenen Erwerbsalter motivieren”.
So könne besonders die Stärkung des betrieblichen Gesundheitsmanagements und gesundheitlicher Prävention, etwa bei mentaler Belastung, “einem frühen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben vorbeugen”, schreiben die IW-Forscherinnen Ruth Maria Schüler und Andrea Hammermann. Bei ihren Untersuchungen habe sich zudem gezeigt, dass jüngere Beschäftigte eine sehr viel größere Notwendigkeit sähen und auch höhere Bereitschaft hätten, ihre Tätigkeit zu wechseln, um bis zum Renteneintrittsalter arbeiten zu können. Um die Erwerbsfähigkeit von Beschäftigten im rentennahen Alter zu erhalten, könnten "eine strukturierte betriebliche Laufbahnplanung, eine gezielte Weiterbildung und berufliche Qualifizierung helfen”, meinen die Wissenschaftlerinnen.
Zwei Drittel können sich regulären Rentenbeginn vorstellen
Knapp zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hierzulande können sich der IW-Umfrage zufolge vorstellen, bis zur persönlichen Altersgrenze zu arbeiten. Umsetzen wollten diese Möglichkeit aber nur 57 Prozent, heißt es: 59,7 Prozent der unter 35-Jährigen, 54,5 Prozent der über 50-Jährigen. Die Einstellung in dieser Frage sei zwischen den Altersgruppen somit ähnlich, stellte das IW fest. Ebenfalls bemerkenswert: 66,4 Prozent der Beschäftigten unter 35 Jahren fühlten sich gesundheitlich in der Lage, bis zum Rentenalter zu arbeiten, bei den 50 bis 66-Jährigen seien es mit 62,6 Prozent aber nur geringfügig weniger.
Weitere Ergebnisse der Umfrage:
- 17 Prozent der Beschäftigten gaben an, weder in der Lage zu sein, noch den Wunsch zu haben, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten.
- 48 Prozent fühlen sich in der Lage, länger erwerbstätig zu bleiben und wollen bis zum Rentenalter arbeiten.
- Rund sechs Prozent wären gern bis zur Regelaltersgrenze tätig, befürchten aber, nicht so lange durchzuhalten.
- Etwa 14 Prozent gaben an, dass sie bis zum Rentenalter arbeiten könnten, aber vorzeitig in Rente gehen möchten.
- Etwa 15 Prozent gaben keine Stellungnahme ab.
