Berlin (sth). Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung muss voraussichtlich 2027 oder 2028 von derzeit 18,6 auf knapp 20 Prozent steigen. Das erklärte der Co-Vorsitzende des Bundesvorstands der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Alexander Gunkel, am Donnerstag vor der Bundesvertreterversammlung - dem “Zentralparlament” der 16 deutschen Rentenversicherungsträger - in Berlin. Es wäre die erste Anhebung des Rentenbeitrags seit 2007. Damals kletterte der von Beschäftigten und Arbeitgebern an die Rentenkassen zu zahlende Beitragssatz von 19,5 auf 19,9 Prozent des jeweiligen Bruttolohns.
Grund für die in den kommenden Jahren anstehende Beitragsanhebung sei, dass mit den demografischen Veränderungen “die Beitragseinnahmen in den nächsten Jahren weniger steigen als die Rentenausgaben”, erklärte Gunkel vor den ehrenamtlichen Delegierten von Versicherten und Arbeitgebern. Zwar werde diese Entwicklung zunächst noch “durch Mittel der Nachhaltigkeitsrücklage kompensiert, die damit den Beitragssatz stabilisiert”, sagte Gunkel. Doch wenn die Mindestrücklage von derzeit 0,2 Monatsausgaben in den Rentenkassen erreicht sei, "wird der Beitragssatz steigen müssen“, so der wichtigste Arbeitgebervertreter in der DRV-Selbstverwaltung. Nach den wegen des Koalitionsbruchs nicht mehr umgesetzten Plänen der Ampel-Parteien sollte die Mindestrücklage künftig auf 0,3 Monatsausgaben steigen.
Rentenversicherung wendet sich gegen Kürzung der Bundeszuschüsse
„Das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung ist nach wie vor hoch“, bekräftigte Gunkel dennoch. In Richtung Politik sandte er aber den Wunsch nach einer finanziell nachhaltigen, verlässlichen und sozial ausgewogenen Rentenpolitik, die parteiübergreifend die Interessen sowohl der Rentnerinnen und Rentner als auch der Beitragszahler gleichwertig im Blick habe. „Haushaltspolitisch motivierte Kürzungen der Bundeszuschüsse darf es nicht geben“, gab Gunkel der künftigen Bundesregierung mit auf den Weg.
Nach aktueller Schätzung werden sich die Gesamteinnahmen der Rentenversicherung in diesem Jahr auf knapp 396 Milliarden Euro belaufen. Demgegenüber stehen Ausgaben von voraussichtlich knapp 398 Milliarden Euro - womit ein Defizit von rund zwei Milliarden Euro zu erwarten ist. Beim Anteil der Pflichtbeiträge aus Erwerbstätigkeit, die knapp 70 Prozent ihrer Einnahmen ausmachen, rechnet die Rentenversicherung den Schätzungen zufolge mit einem Anstieg um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings würden die Rentenausgaben voraussichtlich um 6,1 Prozent steigen, so Gunkel - in erster Linie jedoch nicht wegen des demografischen Wandels, sondern aufgrund der Rentensteigerung um 4,57 Prozent zur Mitte dieses Jahres.
