München (tö). Der ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester, Namensgeber für die in die Kritik geratene Riester-Rente, hat die Debatte um die richtige Höhe des Rentenniveaus scharf kritisiert. „Das Rentenniveau ist eine Nullnummer“, sagte der 82-jährige frühere SPD-Politiker der Süddeutschen Zeitung (SZ). Das Rentenniveau sei „irreführend für den allgemeinen Menschen, der einzahlt und Rente bezieht“. Es sage nichts darüber aus, wie viel man als Rentner oder Rentnerin bekomme. Riester sprach in der SZ von einem „Trugbild“, das einen falschen Eindruck vermittele. „Enorme Auswirkungen auf das Rechenergebnis beim Rentenniveau haben null Auswirkungen auf die aktuellen Renten“, sagte Riester.
Was ist das Rentenniveau und wozu dient es?
Tatsächlich dient das Rentenniveau lediglich als Rechengröße für die Höhe der Standardrente im Verhältnis zum Durchschnittslohn. Gerechnet wird dabei mit dem sogenannten „Standard-Rentner“ beziehungsweise „Eck-Rentner“. Diese fiktive Person arbeitet 45 Jahre, verdient dabei stets so wie der Durchschnitt aller Versicherten und zahlt entsprechend Rentenbeiträge. Heraus kommt dabei die „Standardrente“, nach Abzug von Sozialabgaben, aber vor Abzug von Steuern. Das Rentenniveau liegt derzeit bei 48 Prozent. In den vergangenen Monaten gab es eine langanhaltende Diskussion über die Frage, wie lange das Rentenniveau von 48 Prozent verlängert werden soll.
Ideologieschlacht: Umlageverfahren versus Kapitaldeckung
Der frühere Bundesarbeitsminister in der rot-grünen Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte nun: „Diese Ideologieschlacht ist eine Katastrophe“. Er erlebe, so Riester gegenüber der SZ, eine Schwarz-Weiß-Debatte Umlageverfahren versus Kapitaldeckung, als würde es nur das eine oder das andere geben. „Ich halte die Auseinandersetzung auf diese Art für schlimm, weil doch beides wichtig ist, das Umlagesystem und die Kapitaldeckung“, sagte er. Stattdessen über das Rentenniveau zu sprechen, mache die Diskussion absichtlich intransparent. Der einzelne Arbeitnehmer bleibe verwirrt zurück und wisse nicht, wie er sich verhalten sollte. „Es ist für mich fraglich, ob es links ist, für ein höheres Rentenniveau zu streiten, wenn das an der Wirklichkeit vorbeigeht“, sagte Riester der SZ.
Nun soll aber die Renten-Kommission der Bundesregierung bis zum Sommer 2026 „eine neue Kenngröße für ein Gesamtversorgungsniveau“ entwickeln. Diese soll idealerweise verständlich und transparent zeigen, wie viel Geld im Ruhestand, inklusive Betriebsrenten und geförderter privater Vorsorge, zu erwarten ist.
