München (tö). In Deutschland werden in etwa 20 Jahren deutlich weniger Menschen leben als zuvor erwartet. Damit rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seiner neuen Bevölkerungsprognose. Demnach verringert sich die Zahl der Menschen hierzulande bis 2045 um fast drei Prozent auf 81 Millionen.
Je nachdem wie sich die Zuwanderung entwickelt, könnte sie im Extremfall auf knapp 77 Millionen fallen. Die Obergrenze liegt bei rund 85 Millionen. In einer vorherigen Prognose aus dem Jahr 2024 war das IW noch von einem geringen Wachstum bis 2040 ausgegangen.
Geringere Wanderungsgewinne zu erwarten
Schon lange bekannt ist: In Deutschland sterben seit vielen Jahren mehr Menschen, als Babys geboren werden. Im Jahr 2025 belief sich dieses Minus auf 350.000. Dass die Bevölkerung dennoch lange Zeit nicht geschrumpft ist, lag an der Zuwanderung. Es wanderten mehr Menschen nach Deutschland ein, als das Land verließen.
Doch nun verändert sich die Lage: „Vor dem Hintergrund der Maßnahmen der Bundesregierung im Rahmen der Migrationswende von 2025 (…) sind zukünftig geringere Wanderungsgewinne zu erwarten“, heißt es im Bericht des IW. So kamen 2025 lediglich 250.000 Menschen mehr nach Deutschland als das Land verließen. Damit kommen auch weniger Fachkräfte ins Land als gewünscht. Unterm Strich ging die Bevölkerung so um 100.000 Einwohner zurück.
Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter schrumpft
Hält dieser negative Trend an, hat dies für den Arbeitsmarkt fatale Folgen: So dürfte laut den IW-Berechnungen die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 67 Jahren sinken. Bis 2045 wird diese Altersgruppe um rund 8,3 Prozent auf etwa 50 Millionen Menschen schrumpfen.
Gleichzeitig steigt die Zahl der über 67-Jährigen von 17 Millionen auf 20,4 Millionen. Dazu heißt es in dem Bericht: „Die Anzahl der aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden Personen kann nicht mehr durch junge Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, kompensiert werden.“
Druck auf Sozialsysteme steigt
Der Autor der Analyse, IW-Ökonom Philipp Deschermeier, fürchtet deshalb, dass Arbeitsmarkt sowie Sozialversicherung und damit auch die gesetzliche Rentenversicherung „viel früher und stärker unter Druck geraten als bislang befürchtet“. Dies zeige auch die Entwicklung des sogenannten Gesamtquotienten, eine Kennzahl, die ausdrückt, wie viele jüngere (unter 15 Jahren) und ältere Menschen (mindestens 67 Jahre) rechnerisch auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter entfallen.
„Da einige Jahrgänge der Babyboomer das gesetzliche Renteneintrittsalter schon erreicht haben, ist die Kennzahl in den vergangenen Jahren bereits angestiegen“, so der IW-Bericht. „Im Jahr 2025 entfielen etwa 51,8 jüngere und ältere Personen auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Bis 2045 wird sich die Anzahl auf 60,7 Personen erhöhen.“
Zahl der Senioren könnte bis 2045 um 20 Prozent steigen
Folglich nimmt der Prognose zufolge auch die Anzahl der Seniorinnen und Senioren bis 2045 deutlich zu. „Waren es 2025 noch 17 Millionen Personen, die mindestens 67 Jahre alt waren, erhöht sich die Anzahl bis 2045 auf 20,4 Millionen Senioren“, heißt es in der Analyse. „Dies entspricht einem Anstieg um 3,4 Millionen Personen beziehungsweise von 20 Prozent.“
Das belaste nicht nur die Rentenversicherung, es gebe auch einen „Mangel an altersgerechtem Wohnraum. So fehlen beispielsweise über 2,5 Millionen altersgerechte Wohnungen in Deutschland“, schreibt Deschermeier. Er fordert deshalb: „Die Politik muss die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte erleichtern, etwa durch schnellere Visaverfahren und eine einfachere Anerkennung ausländischer Abschlüsse.“
