Brüssel (dsv/sth). Etwa 80 Prozent der Plattformen, die Dienstleistungen im Internet anbieten, setzen ausschließlich Selbständige ein oder vermitteln sie. Der Marktanteil dieser Plattformen sei so groß, dass ca. 95 Prozent aller Einkünfte von Plattformarbeitern über sie erwirtschaftet werden. Das geht nach einem Bericht des Europabüros der Deutschen Sozialversicherung (DSV) aus einer Studie für die Europäische Kommission hervor.
Dies zeige „ganz klar, dass trotz einzelner gegenläufiger Trends die überwiegende Anzahl der Plattformarbeiter immer noch ihre Tätigkeit als Selbständige ausüben, wenn auch vielleicht nur als Scheinselbständige“, heißt es in dem Bericht. Nur eine kleine Anzahl von Plattformen arbeite mit abhängig Beschäftigten, und das fast ausschließlich bei lokal gebundenen Lieferdiensten. Das sei einer der Sektoren, „in denen immer wieder Gerichtsurteile den Status zugunsten eines Beschäftigungsverhältnisses (re-)qualifizieren“.
Selbstständig ohne Arbeitslosenversicherung
Als Konsequenz der überwiegenden Einstufung als Selbständige verfüge „nur ein verschwindend geringer Anteil der Plattformarbeiter über eine Arbeitslosenversicherung“, schreibt die Brüsseler DSV-Vertretung. 97 Prozent aller Einkünfte seien dagegen „nicht geschützt“. Ausnahmen finde man vor allem in Deutschland und in den Niederlanden, heißt es in dem Bericht weiter.
Auf ähnliche Verhältnisse treffe man auch in anderen Zweigen der Sozialversicherung – mit einer Ausnahme: der Unfallversicherung. Immerhin 23 der Plattformen böten ihren selbständigen Plattformarbeitern eine Unfallversicherung an, z.B. in Partnerschaft mit einem privaten Versicherungsunternehmen. Die Studie lasse aber ausdrücklich offen, ob das Niveau dieser Absicherung dem einer gesetzlichen Unfallversicherung vergleichbar ist, heißt es.
