Hamburg (sth). Mehr als zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 18 bis 63 Jahren halten es für eher oder sehr wichtig, die Chancen des Kapitalmarkts für die betriebliche Altersversorgung stärker zu nutzen. Vor allem jüngere und besserverdienende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern halten es für richtig, für eine höhere Rendite auch ein größeres Anlagerisiko in Kauf zu nehmen. Das geht aus den Ergebnissen einer am Mittwoch vom Hamburger Versicherungsmakler Aon veröffentlichten Umfrage unter mehr als 1100 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hervor.
Mit Blick auf das Risiko, im Falle einer ungünstigen Kapitalmarktentwicklung im Alter niedrigere Leistungen zu bekommen, geben der Umfrage zufolge allerdings immer noch 55 Prozent der Arbeitnehmer eher garantierten Leistungen den Vorzug. “Je älter die Befragten und je näher der eigene Renteneintritt, desto mehr rücken Garantien in den Fokus”, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Auch die Höhe des Einkommens hat demnach großen Einfluss auf das persönliche Risikoprofil. “So sind für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit weniger als 2.500 Euro Gehalt Garantien erheblich wichtiger als Anlagenchancen, die mehr Rendite versprechen, aber auch Risiken bergen können”, so das Beratungsunternehmen.
Gender Pay Gap setzt sich als Gender Pension Gap fort
Frauen sparen meist weniger für ihre Altersversorgung an, weil sie eher in Teilzeit arbeiten als Männer und häufiger ihre Erwerbstätigkeit für Erziehung oder Pflege unterbrechen. Hieraus resultiert ein “signifikanter Unterschied in der Altersversorgung zwischen Männern und Frauen”, heißt es von Aon weiter. Wie groß dieser sogenannte Gender Pension Gap tatsächlich ist, werde “dramatisch unterschätzt”. Nur sieben Prozent der befragten Männer und 14 Prozent der Frauen schätzten es richtig ein, dass das durchschnittliche Alterseinkommen einer Frau rund 37 Prozent niedriger sei als das eines Mannes.
Mehrheit zu Verzicht zugunsten gerechterer Verteilung bereit
Mit Blick auf die Auswirkungen gesundheitsbedingter Arbeitszeitreduzierung, Elternzeit und Pflegezeit auf die Altersversorgung zeige die Mehrheit der Studienteilnehmenden eine “hohe Bereitschaft, diese Folgen über einen kollektiven Ausgleich abzumildern”, fanden die Befragenden heraus – auch wenn dies zulasten der eigenen Versorgung gehe. Bis zu zwei Drittel der Antwortenden gaben demnach an, dass es ihnen “sehr wichtig oder eher wichtig ist, dass die betriebliche Altersversorgung einen derartigen sozialen Ausgleich fördert”.
“Unsere Untersuchung zeigt ein überraschend hohes Bekenntnis zum sozialen Ausgleich”, wird Aon-Partnerin Angelika Brandl zitiert. Die Befragten seien bereit, für sich selbst niedrigere Versorgungsansprüche in Kauf zu nehmen, um im Gegenzug für benachteiligte Gruppen den Pension Gap zu reduzieren. "Arbeitgeber, die soziale Komponenten in die betriebliche Altersversorgung integrieren, können daher mit großer Zustimmung rechnen", sagte Brandl laut der Unternehmensmitteilung.
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