So sparen Sie für Ihre Kinder und Enkel
Gut planen
Am Anfang sollten Sie sich ein paar einfache Fragen stellen. Klar, Sie wissen, wie alt Ihre Enkelin oder Ihr Sohn ist, aber wie viele Jahre wollen Sie eigentlich für den Nachwuchs sparen? Wann sollen sie Zugriff auf das Geld haben? Und wofür ist das Geld eigentlich gedacht? Für die Ausbildung? Ein Studium? Oder möchten Sie gar eine größere Summe schenken, die später ein Baustein für den Kauf einer Immobilie oder eine zusätzliche Altersvorsorge sein soll? Hier gilt es zunächst diese Faustregel zu beachten: Wie Sie für die Enkel oder Kinder anlegen, sollte vom Anlass, Ziel und der eigenen Erwartung an die Erträge der Geldanlage abhängen.
Früh starten
Egal, wofür das Geld gedacht ist, eines sollte Ihnen stets bewusst sein: Je früher Sie anfangen und je mehr Zeit Sie haben, desto mehr springt am Ende für den Nachwuchs heraus. Das liegt am häufig unterschätzten Zinseszinseffekt.
Beispiel: Der Enkel soll studieren und dafür ein Startkapital bekommen (etwa für den Umzug, die Einrichtung einer kleinen Wohnung oder den Kauf eines Autos). Am 8. Geburtstag des Enkels legen die Großeltern 10.000 Euro an. Bei vier Prozent Zinsen sind daraus mit Zins und Zinseszins nach 10 Jahren 14.802 Euro geworden. Hätten die Großeltern mit ihrer Investition am 13. Geburtstag ihres Enkels angefangen, wären daraus nach fünf Jahren nur 12.167 Euro geworden. Weil das Geld fünf Jahre weniger lang „arbeiten“ kann, sind am Ende gut 2600 Euro weniger angespart.
Noch stärker wirkt der Zinseszinseffekt bei längeren Zeiträumen. Wenn Sie für Ihr Kind 100 Euro jeden Monat in einen Aktien-ETF mit einer jährlichen Rendite von fünf Prozent anlegen, springen nach 18 Jahren dadurch fast 35.000 Euro heraus. Hätten Sie die 100 Euro nur 10 Jahre monatlich angelegt, hätte dies nur rund 15.500 Euro gebracht.
Sicher anlegen
Gut möglich, dass Sie schon älter sind und sich nicht mehr mit der Börse, Aktien oder Fonds beschäftigen wollen. Dann suchen Sie vielleicht für Ihre Enkel eine hundertprozentig sichere Anlage. In diesem Fall kommen für Sie Tages- und Festgeld in Frage. Haben Sie bereits eine größere Summe zur Verfügung, etwa 5000 Euro oder mehr, ist für Sie ein Festgeldkonto geeignet. Dabei vertrauen Sie einer Bank eine bestimmte Summe für eine bestimmte Laufzeit an und erhalten dafür vorher fest vereinbarte Zinsen.
Welche Banken attraktive Zinsen bieten und gleichzeitig einen sicheren Einlagenschutz für Ihr Erspartes, finden Sie mit wenigen Klicks im Internet auf Vergleichsportalen heraus wie biallo.de, fmh.de oder verivox.de. Höhere Zinsen rücken häufig Direktbanken ohne Filialnetz heraus. Anfang Dezember 2024 boten mehrere Banken aus Deutschland mit sehr guter Einlagensicherung für Festgeld Zinsen von zwei bis drei Prozent an.
Passende Laufzeiten wählen
Für Festgeld oder auch für Sparbriefe gibt es verschiedene Laufzeiten, von sechs Monaten bis meist zehn Jahren. So lang ist das Geld festgelegt, ohne dass Sie in dieser Zeit über den angelegten Betrag verfügen können. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Laufzeit so wählen, dass Ihr Enkel oder Ihr Kind auch wirklich das Geld dann bekommen kann, wenn sie oder er es benötigt.
Die Stiftung Warentest empfiehlt, sich eine Zinstreppe zu bauen: Dabei wird ein Teil des Geldes zum Beispiel ein oder zwei Jahre angelegt. Dann können Sie darüber schneller wieder verfügen und den frei gewordenen Betrag bestenfalls zu noch höheren Zinsen anlegen. Den anderen Teil legen Sie länger an, um sich die das derzeit bestehende Zinsniveau über vier, fünf oder gar zehn Jahre zu sichern – schließlich könnten die Zinsen ja wieder weiter fallen.
Klein anfangen
Angenommen, Sie haben keine größere Summe übrig, um mit dem Sparen für den Nachwuchs zu beginnen. Dadurch wird es mit einer Festgeld-Anlage schon schwieriger, weil die Banken oft Mindestanlagesummen verlangen, nicht selten 2500 Euro oder sogar 5000 Euro. Dann kommt für Sie ein Tagesgeldkonto in Frage. Hier ist das Geld täglich verfügbar, dafür sind die variablen Zinsen meist deutlich niedriger als bei Festgeldanlagen oder Sparbriefen. Sie können aber schrittweise auch mit kleinen Beträgen von zum Beispiel 50 Euro das Tagesgeldkonto füllen, bis sie genug Geld für eine Anlage in Festgeld zusammengekratzt haben.
Wofür das Tagesgeldkonto auch gut ist: Werden die Zinsen vom Festgeld Jahr für Jahr ausgeschüttet und nicht automatisch wiederangelegt, können Sie die Zinsen aufs Tagesgeldkonto überweisen, bis genug zusammen ist für das nächste Festgeldanlage. So nutzen Sie den Zinseszinseffekt, und die Kinder oder Enkel werden später einmal mehr davon haben, wenn Oma oder Opa, Mama oder Papa fleißig sparen.
Lieber weglassen
Banken bieten Großeltern für ihre Enkelkinder gerne eine Ausbildungsversicherung oder einen Bausparvertrag an. Davon ist eher abzuraten – aus zwei Gründen: Die Verzinsung ist zu niedrig, und die Kosten zu hoch. Vorsicht geboten ist auch bei sogenannten Goldsparplänen: Dabei werden häufig fünf bis acht Prozent von der Sparrate für Kosten und Provisionen abgezweigt. Das ist viel zu viel und zehrt an der Rendite.
Mehr herausholen
Angenommen, Sie wollen für den Nachwuchs mehr als zwei, drei Prozent Zinsen herausholen. Dann kommen Sie um den Aktienmarkt kaum herum. Zu empfehlen sind in diesem Fall an Börsen gehandelte Indexfonds, bekannt auch als ETF (Exchange Traded Funds).
Einsteiger können am besten in einen Welt-ETF anlegen. Dieser investiert in den Index MSCI World und damit in Aktien von etwa 1400 Unternehmen breit gestreut über verschiedene Länder und Branchen. Die Durchschnittsrendite des Index MSCI World lag in den vergangenen 20 Jahren bei jährlich etwa 9 Prozent. In den Welt-ETF können Sie bequem und einfach per Sparplan jeden Monat zum Beispiel 25, 50, 100 oder mehr Euro einzahlen. Bei der ETF-Suche hilft das Fondssucheportal der Stiftung Warentest (siehe Tabelle).
Um für die Kinder oder Enkel an der Börse anlegen zu können, sollten Sie aber drei Voraussetzungen erfüllen:
- Sie brauchen ein Wertpapierdepot bei einer Bank, idealerweise bei einem Geldinstitut, bei dem die Depotführung nichts kostet und die Kosten für den Sparplan niedrig sind. Die Konditionen können Sie hier vergleichen: www.brokervergleich.de.
- Sie sollten Zeit mitbringen, um Kurseinbußen an der Börse aussitzen zu können. „Mit einer langen Perspektive ab zehn Jahren, die für Geldanlagen für den Nachwuchs typisch ist, sind die Risiken gering, und die Chancen auf eine gute Rendite überwiegen“, rät die Stiftung Warentest.
- Sie sollten flexibel agieren können oder noch Geld aus anderen sicheren Anlagen zur Verfügung haben, wenn das Geld für den Enkel oder die Tochter zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stehen muss. Es kann ja passieren, dass die Aktienkurse gerade dann im Keller sind, wenn die Ausbildung oder das Studium beginnt. Es ist deshalb sinnvoll, sowohl in Tages- und Festgeld (das ist Ihr Sicherheitsbaustein) als auch in Aktien-ETF (das ist Ihr Renditebaustein) anzulegen, zum Beispiel halbe-halbe. Ist ein Verkauf der ETFs zum gewünschten Zeitpunkt nicht lohnend, können Opa und Oma zunächst einmal auf das Tages- und das verfügbare Festgeld zurückgreifen.

Wie der Nachwuchs beim Steuern sparen hilft
Viele Banken bieten fürs Sparen mit ETF inzwischen Junior-Depots oder Kinder-Depots an. Vorteil: Wird das Depot auf dem Namen des Enkels oder der Enkelin geführt, verfügen diese über einen eigenen Sparerpauschbetrag (früher Sparerfreibetrag) in Höhe von 1000 Euro pro Person im Jahr. Auf Zinsen und andere Erträge werden dann bis zu dieser Obergrenze keine Steuern abgezogen, sofern der Bank ein Freistellungsauftrag vorliegt. Der Sparerpauschbetrag von Opa oder Oma wird nicht belastet.
Alternativ ist es auch möglich, für Kinder oder Enkel eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung einzureichen. Diese wird von den Eltern beim zuständigen Finanzamt beantragt. Nötig sind dafür das entsprechende Formular, Angaben zur Person, die Steueridentifikationsnummer und die Bestätigung, dass das Kind keine oder nur geringe Einnahmen hat. Die NV-Bescheinigung vom Finanzamt ist maximal drei Jahre gültig. Danach ist bei Bedarf erneut ein Antrag zu stellen.
Die Bescheinigung für das Kind gibt es aber nur, wenn die zu versteuernden Einkünfte des Kindes unter dem Grundfreibetrag liegen. Dieser belief sich auf 11.604 Euro, Bundesregierung und Bundesrat haben aber nun den Grundfreibetrag für 2024 rückwirkend um 180 auf 11.784 Euro erhöht. Durch die NV-Bescheinigung können die Kinder problemlos Kapitalerträge kassieren, ohne dass Abgeltungsteuer fällig wird.
Konten und Depots auf den Namen der Kinder oder Enkelkinder haben jedoch auch Nachteile:
- Die Eltern, die das Depot einrichten oder den Großeltern eine Vollmacht geben müssen, dürfen das Geld nicht für eigene Zwecke nutzen, auch nicht für die Einrichtung eines Kinderzimmers. Stellt das Finanzamt fest, dass Geld an die Eltern zurückgeflossen ist, können unter Umständen Steuern nachgefordert werden.
- Erzielt das Kind mit seinem Depot Kapitaleinkünfte von monatlich mehr als 505 Euro, ist die Mitversicherung bei der gesetzlichen Krankenkasse gefährdet. Um so hohe Kapitalerträge zu erreichen, müssten die Eltern oder Großeltern aber schon weit mehr als 100.000 Euro für das Kind angelegt haben.
- Viel wichtiger ist die Bafög-Grenze: „Bis 15.000 Euro darf der Nachwuchs auf der hohen Kante haben. Liegt mehr im Depot, wird das auf das Bafög angerechnet“, warnt die Stiftung Warentest.
Tipp:
Bedenken Sie auch, dass die Enkel oder Kinder mit ihrem eigenen Depot vom 18. Geburtstag an machen können, was sie wollen. Eltern oder Großeltern, die Angst haben, dass das mühsam angesparte Geld verprasst wird, sollten das Depot lieber auf den eigenen Namen anlegen. Das gilt auch für Tages- oder Festgeldkonten, sofern die jeweilige Bank überhaupt ein Konto für Minderjährige anbietet.
- www.ihre-vorsorge.de/finanzen/allgemein-finanzen/die-5-groessten-zinsfallen-der-banken
- www.ihre-vorsorge.de/altersvorsorge/private-vorsorge/fondssparplan-bequem-sparen-fuer-die-altersvorsorge
- www.ihre-vorsorge.de/altersvorsorge/private-vorsorge/altersvorsorge-mit-dem-msci-world
- www.ihre-vorsorge.de/finanzen/allgemein-finanzen/wie-fondsanleger-steuern-sparen-koennen
