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Alkohol: Das sollten Frauen über die Gefahren wissen

Frauen vertragen weniger, oder? Tatsächlich gibt es für Frauen besondere Risiken beim Alkohol. Ein Suchtmediziner und eine Betroffene erklären, wie es zu problematischem Konsum kommt - und was hilft.

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Eine Hand hält ein Rotweinglas. Bildnachweis: wdv © Lauer. Jan

© Nicht definiert

Berlin/Mannheim (dpa/tmn). Zum Anstoßen, zum Essen, zum Herunterkommen – ach einfach so. Es gibt viele Gründe, Alkohol zu trinken. Und auch viele, es nicht zu tun. Denn der Konsum birgt Risiken: Alkoholabhängigkeit ist eine ernste Erkrankung, die jeden betreffen kann – und nicht immer erkannt wird.

Gerade bei Frauen gibt es ein paar Besonderheiten: Wirkung und Gefahren sind bei ihnen teilweise anders als bei Männern. Inwiefern? Und was kann man dann tun? Antworten darauf geben: Suchtmediziner Professor Falk Kiefer und die Autorin und Bloggerin Mia Gatow, die sich vor sieben Jahren vom Alkohol “befreit” hat – und in ihrem Buch “Rausch und Klarheit” darüber berichtet.

Warum ist Alkohol für Frauen gefährlicher?

Das sind zum einen biologische Faktoren: Frauen haben im Allgemeinen eine geringere Alkoholverträglichkeit als Männer. Dies liegt Kiefer zufolge daran, dass sie im Durchschnitt kleiner sind, weniger Körpervolumen haben, mehr Fett und weniger Wasser im Körper haben und Alkohol langsamer abbauen. 

Dadurch erreichen Frauen bei gleicher Trinkmenge eine höhere Blutalkoholkonzentration und die giftige Wirkung des Alkohols entfaltet sich bei ihnen stärker und länger, erklärt Kiefer. Und: “Die Risiken für Folgeerkrankungen sind bei Frauen ungefähr bereits bei der halben Alkoholmenge im Vergleich zu Männern erhöht”, so der Suchtmediziner. 

Dazu zählen:

  • depressive Verstimmungen
  • Angsterkrankungen
  • Hormonstörungen
  • Sodbrennen
  • Magengeschwüre
  • Abhängigkeit

Hinzu kommt: “Der Zeitraum von Beginn des problematischen Trinkens bis zur Abhängigkeit ist offensichtlich kürzer”, so Kiefer. Die Rede ist oft vom sogenannten Teleskopeffekt. Alkohol ist für Frauen also toxischer. 

Welche Faktoren spielen noch eine Rolle?

Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle: In der Vergangenheit war Alkoholkonsum bei Frauen gesellschaftlich weniger akzeptiert als bei Männern. Das hat sich verändert - aktuell trinken Frauen, besonders in bestimmten Altersgruppen, zunehmend wie Männer. Sie haben quasi “aufgeholt”.

Mia Gatow beschreibt diese “Angleichungsbewegung” so: “Wir arbeiten so viel wie Männer. Wir trennen Karriere und Privatleben, wie Männer das machen. Wir verdienen, jedenfalls theoretisch, fast genauso viel Geld - und wir trinken wie Männer. Auch zur Entspannung, denn wir haben ja genauso viel Stress.” In ihrem Buch “Rausch und Klarheit” beschreibt sie, wie sie ihr Alkoholproblem erkannt hat und warum und wie sie abstinent wurde.

Welche Rolle spielt das Umfeld und die Gesellschaft bei Sucht?

Kiefer erklärt: "Leider herrscht da sozusagen die alltägliche Banalität. In einer Gesellschaft, wo alle trinken, braucht es keine Dramen, um mitzutrinken." Alkohol zu trinken sei ein erlerntes Verhalten, fast alle machten erste Erfahrungen mit Alkohol in der Jugend oder als junge Erwachsene. Sie lernen vielleicht: “Alkohol kann entspannen und manche Dinge etwas erleichtern” - aber die meisten merken auch die negativen Folgen. 

In den Folgejahren spiele exzessives Trinken oft kaum eine Rolle, weil es einfach nicht passt: Dann sei man mit Familien-, Lebensplanung und Beruf beschäftigt. “Das ist in der Regel alles inkompatibel mit heftigem Trinken, was auch gut ist”, so Kiefer. Die meisten trinken dann nur gelegentlich.

Häufig wird Alkohol dann ein Thema, wenn die “Gelegenheit zum Trinken” wieder da ist. “Oder wenn Probleme da sind, bei denen Alkohol kurzfristig vermeintlich hilft”, so Kiefer. Auch rund um Lebensübergänge etwa in der mittleren Lebensphase, wenn Belastungen im Beruf, der Partnerschaft und im Zusammenhang mit Kindern hinzukommen - auch und gerade für Frauen ein Thema. Dann erinnern sich viele an die Effekte, die Alkohol haben kann. «Und rutschen durch das Gefühl 'irgendwie tut mir das im Moment ganz gut' da rein.»

Woran merkt man - ich habe ein Alkoholproblem?

Nicht unbedingt daran, wie viel man trinkt. “Wenn man den Schweregrad einer Alkoholabhängigkeit messen will, dann orientiert sich das kaum an den berichteten Trinkmengen”, erklärt Kiefer. “Das wichtigste Kriterium sind die negativen Konsequenzen, die man bereit ist in Kauf zu nehmen.” Wenn es schwerfällt, auf Alkohol zu verzichten - “wenn man merkt, es gibt Dinge, die besser laufen würden, wenn ich nicht trinke, aber man trinkt trotzdem. Dann hat man auch schon ein Alkoholproblem”, sagt der Mediziner. 

Mia Gatow erzählt: “Ich hatte mir zehn Jahre eingeredet, dass ich weniger trinken muss.” Sie dachte, sie müsse “normal” - also wie andere Leute trinken. “So wie die Alkoholindustrie das ja auch immer verkauft, dass das ja alle Leute könnten.” Und wer das nicht kann, habe eine Art von persönlicher Schwäche. «Obwohl das natürlich überhaupt nicht stimmt.»

Tatsächlich kann das sogar symptomatisch für eine Alkoholerkrankung sein: «Wenn Sie feststellen, dass Sie Ihren Alkoholkonsum bewusst zu kontrollieren versuchen, weil Sie befürchten, zu viel zu trinken, kann dies ein Zeichen für ein problematisches Trinkverhalten sein", schreibt die Stiftung Gesundheitswissen.

Dies könne in schädlichen Konsum übergehen: «Normalerweise richten wir unser Verhalten an positiven und negativen Konsequenzen aus», so Kiefer. Wer etwa joggen geht, habe gelernt, dass es ihm damit besser geht. “Wenn Sie sich aber den Knöchel verstaucht haben, werden Sie eine Pause einlegen und nicht damit laufen gehen. Im übertragenen Sinne tun Menschen mit problematischem Alkoholkonsum aber genau das, und zwar in ganz kleinen Schritten.” 

Was tun, wenn es zu viel wird?

Wer das Gefühl hat, das eigene Trinkverhalten ist aus dem Ruder gelaufen, kann Suchtberatungsstellen aufsuchen - eine niedrigschwellige Möglichkeit, Unterstützung zu finden, sagt Kiefer. Sie arbeiten unabhängig von Krankenkassen und machen sich ein Bild der Symptomatik, geben Empfehlungen, ohne das Ziel, eine medizinische Diagnose zu stellen. «Man kann sich informieren und einschätzen, ob das eigene Verhalten problematisch ist, ohne direkt an eine Entzugsklinik oder lebenslange Abstinenz zu denken.»

Auch gute Ansprechpartner: Hausärztin oder Hausarzt. «Sie können und sollen unterstützen, auch unabhängig von der Diagnose einer Alkoholabhängigkeit», so Kiefer. «Es gibt ja Zusammenhänge zwischen Alkohol und Beschwerden wie Schlafstörungen, Magenschleimhautentzündungen oder Diabetes, und die kann man viel besser behandeln, wenn der Alkoholkonsum weniger oder ganz aufgegeben wird.» Natürlich können Hausärzte anhand körperlicher und psychischer Symptome auch eine Abhängigkeitserkrankung diagnostizieren. 

Sowohl niedergelassene Mediziner als auch Suchtberatungsstellen helfen bei entsprechender Symptomatik dabei, eine Suchttherapie anzufangen. Das kann, muss aber nicht ein stationärer Klinikaufenthalt sein. 

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