Im Fokus / 14.03.2016

Mehr Rente bei niedrigem Einkommen

In Berlin wird derzeit noch über die neue „Lebensleistungsrente“ nachgedacht. Wir zeigen, wie heute schon die Rente von Auszubildenden, Eltern und Geringverdienern aufgewertet werden kann.

Beratungsgespräch Paar – Bildnachweis: gettyimages © Sam Edwards

Inhalt

„Die solidarische Lebensleistungsrente steht in dieser Legislaturperiode auf der Tagesordnung“, erklärte Arbeitsministerin Andrea Nahles in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Die Regierungskoalition will die Situation von Rentnern mit geringen Altersbezügen verbessern. Dazu soll - möglichst noch 2017 – eine „solidarische Lebensleistungsrente“ eingeführt werden. Diese soll vor allem jenen Ruheständlern zugute kommen, die langjährig beschäftigt waren, aber dabei wenig verdient haben.

Im Folgenden finden Sie einen Überblick, wer derzeit schon von einer Rentenaufwertung profitieren kann.

Beschäftigungszeiten vor 1992

So werden Beschäftigungszeiten vor 1992 aufgewertet.

Die Berliner Koalition arbeitet gerade an einem Konzept zur Aufwertung von Beitragszeiten mit geringem Arbeitsentgelt. Wenig bekannt ist, dass es eine entsprechende Regelung bereits bis Ende 1991 gab und dass die Regelung (in Paragraf 262 SGB VI) sogar bis heute weiter wirkt – allerdings nur für Beschäftigungszeiten bis Ende 1991.

Folgendes Beispiel zeigt, wie sich die entsprechende Regelung im günstigsten Fall auswirken kann.

Beispiel

Nehmen wir an, eine Arbeitnehmerin war im Jahr 1977 versicherungspflichtig beschäftigt und hat in ihrer Teilzeitbeschäftigung monatlich 1.000 DM verdient. Das durchschnittliche Jahresarbeitsentgelt aller Rentenversicherten betrug damals 24.945 DM. Rechnet man das auf den Monat um, so kommt man auf ein monatliches Bruttoentgelt von 2.078,75 DM.

Geringe Verdienste aus der Zeit vor 1992 können auf maximal 75 Prozent des Durchschnittsentgelts aller Arbeitnehmer im jeweiligen Jahr aufgewertet werden, das sind im Jahr 1977 monatlich 1.559,06 DM. Zugleich ist die Aufwertung aber auf maximal 50 Prozent der eigenen Einkünfte begrenzt.

Für unsere Beispielarbeitnehmerin bedeutet dies, dass ihr Arbeitsentgelt von 1.000 DM auf genau 1.500 DM hochgewertet werden kann. In Entgeltpunkte umgerechnet heißt das: Rentenbeiträge auf Grundlage von 1.000 DM brutto würden ihr 0,48 Entgeltpunkte bringen. Stattdessen können ihr für das Jahr 1977 0,72 Entgeltpunkte gutgeschrieben werden. Damit würde – übertragen in den aktuellen Rentenwert, der Anfang 2016 für die alten Bundesländer gilt – ihre Monatsrente immerhin um rund sieben Euro erhöht.

Die skizzierte Regelung greift allerdings nur, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind.

  • 35 Jahre rentenrechtliche Zeiten
    Nur für diejenigen, die zum Zeitpunkt des Rentenbeginns 35 Jahre rentenrechtlicher Zeiten nachweisen können, kommt eine Aufwertung von Beitragszeiten mit niedrigem Entgelt in Frage. Diese Bedingung ist noch relativ leicht zu erfüllen. Denn hier zählen nicht nur Pflichtbeitragszeiten, sondern auch Anrechnungszeiten, Zurechnungszeiten und zehn Jahre Berücksichtigungszeiten pro Kind.
  • Geringe persönliche Entgelte im „Lebensschnitt“
    Manche Versicherte erzielen nur wenige Jahre ein niedriges Arbeitsentgelt, verdienen jedoch im Durchschnitt ihres Arbeitslebens mehr. Diese können von der Regelung in Paragraf 262 SGB VI zu den Mindestentgeltpunkten nicht profitieren.

    Denn es kommt nicht nur auf das durchschnittliche relative Einkommen in der Zeit bis Ende 1991 an. Vielmehr wird das gesamte Arbeitsleben in den Blick genommen. Für alle Kalendermonate mit vollwertigen Pflichtbeiträgen muss der Durchschnittswert nämlich unter 0,0625 Entgeltpunkten liegen.

    Zur Erläuterung: Dieser Wert ergibt sich, wenn man den Jahreswert von 0,75 Entgeltpunkten durch 12 Monate teilt. Wenn Sie beispielsweise 40 Jahre beitragspflichtig beschäftigt waren und in dieser Zeit auf 29,5 Entgeltpunkte kommen, erfüllen Sie die zweite Voraussetzung so gerade noch. Die 29,5 Entgeltpunkte werden dann nämlich durch 480 Kalendermonate geteilt. Das ergibt einen Schnitt von 0,614 Entgeltpunkten, was noch knapp unterhalb der Grenze des Erlaubten gilt.

Einkommen zu hoch?

Hier kann die paradoxe Situation entstehen, dass ein höheres Arbeitsentgelt nicht zu einer höheren, sondern zu einer niedrigeren Rente führt. Dies gilt immer dann, wenn das höhere Entgelt zur Folge hat, dass der individuelle Durchschnitt den Wert von 0,625 Entgeltpunkten erreicht oder überschreitet.

Gegebenenfalls fallen dann einige Entgeltpunkte möglicher Höherbewertung für Zeiten mit niedrigen Einkommen vor 1992 weg. Im Einzelfall kann es sich daher lohnen, genau zu rechnen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung in den Auskunfts- und Beratungsstellen, helfen hier weiter. Unter Umständen kann es beispielsweise helfen, das aktuelle beitragspflichtige Einkommen – etwa durch eine Entgeltumwandlung zugunsten der betrieblichen Altersversorgung – geringfügig zu senken, so dass im „Lebensschnitt“ die 0,625-Entgeltpunkte-Grenze unterschritten wird.

Höherbewertung von Zeiten mit niedrigem Arbeitsentgelt vor 1992

Durchschnittsentgeld aller Versicherten Eine Höherbewertung der Einkünfte ist möglich, wenn das Einkommen niedriger war als ... DM
im jeweiligen Kalenderjahr (DM) im Jahr im Monat
1955 4.548,00 3.411,00 284,25
1956 4.844,00 3.633,00 302,75
1957 5.043,00 3.782,25 315,19
1958 5.330,00 3.997,50 333,13
1959 5.602,00 4.201,50 350,13
1960 6.101,00 4.575,75 381,31
1961 6.723,00 5.042,50 420,19
1962 7.328,00 5.496,00 458,00
1963 7.775,00 5.831,25 485,94
1964 8.467,00 6.350,25 529,19
1965 9.229,00 6.921,75 576,81
1966 9.893,00 7.419,75 618,31
1967 10.219,00 7.664,25 638,69
1968 10.842,00 8.131,50 677,63
1969 11.839,00 8.879,25 739,94
1970 13.343,00 10.007,25 833,94
1971 14.931,00 11.198,25 933,19
1972 16.335,00 12.251,25 1.020,94
1973 18.295,00 13.721,25 1.143,44
1974 20.381,00 15.285,75 1.273,81
1975 21.808,00 16.356,00 1.363,00
1976 23.335,00 17.501,25 1.458,44
1977 24.945,00 18.708,75 1.559,06
1978 26.242,00 19.681,50 1.640,13
1979 27.685,00 20.763,75 1.730,31
1980 29.485,00 22.113,75 1.842,81
1981 30.900,00 23.175,00 1.931,25
1982 32.198,00 24.148,50 2.012,38
1983 33.293,00 24.969,75 2.080,81
1984 34.292,00 25.719,00 2.143,25
1985 35.286,00 26.464,50 2.205,38
1986 36.627,00 27.470,25 2.289,19
1987 37.726,00 28.294,50 2.357,88
1988 38.896,00 29.172,00 2.431,00
1989 40.063,00 30.047,25 2.503,94
1990 41.946,00 31.459,50 2.621,63
1991 44.421,00 33.315,75 2.776,31

Was ist zu tun?

„Die Höherwertung wird von den Rentenversicherungsträgern automatisch und ohne besonderen Antrag vorgenommen", erklärt Jochen Müller von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Versicherte müssen dazu also im Normalfall gar nichts unternehmen.

Die eigentliche Höherwertung wird erst bei der endgültigen Rentenberechnung vorgenommen. „Sobald die Voraussetzungen für die Höherbewertung erfüllt sind, kann man diese aber auch der ausführlichen Rentenauskunft entnehmen“.

Beschäftigungszeiten ab 1992

Wichtig für Eltern mit Kindern ab drei Jahren: Niedrige Löhne können für die Rente hochgewertet werden.

„Kinderberücksichtigungszeiten“ heißt das Zauberwort. Darunter versteht man die Zeit vom Tag der Geburt bis zur Vollendung des 10. Lebensjahres des Kindes. Die ersten drei Jahre werden dabei ohnehin schon als Kindererziehungszeiten anerkannt und bei der Rente berücksichtigt. Sie bringen einem erziehenden Elternteil ein Rentenplus von drei Entgeltpunkten – was in den alten Bundesländern ab Juli 2016 gut 90 Euro und in den neuen Ländern knapp 85 Euro mehr an Monatsrente bringt.

Doch auch in der Zeit zwischen dem dritten und zehnten Geburtstag eines Kindes können Eltern von Sonderleistungen der gesetzlichen Rentenversicherung profitieren. Kinderberücksichtigungszeiten sorgen dabei in vielen Fällen dafür, dass sozialversicherungspflichtige Beschäftigungszeiten höher bewertet werden.

Rentenplus in der Kinderberücksichtigungszeit

Profitieren können erziehende Elternteile, die zwischen dem dritten und zehnten Geburtstag eines Kindes weniger als der Durchschnitt aller Rentenversicherten verdient haben. Mütter sind (und waren) vielfach Teilzeitbeschäftigte. Für sie trifft diese Voraussetzung in der Regel zu. Der jährliche Durchschnittsverdienst wird für 2016 beispielsweise vorläufig auf 36.267 Euro angesetzt. Niedrigere Arbeitsentgelte, die Mütter zwischen dem dritten und zehnten Geburtstag ihres Kindes erzielen, werden (was die Rente betrifft) maximal auf diesen Betrag hochgewertet, aber zugleich nie um mehr als 50 Prozent.

Beispiel: Eine Teilzeitangestellte verdient derzeit monatlich 1.700 Euro brutto, das entspricht einem jährlichen Einkommen von 20.400 Euro. Dieses Einkommen wird – was die Rente betrifft – auf 30.600 Euro hochgewertet. Ab einem monatlichen Brutto von rund 2.015 Euro (gilt für 2016) erfolgt eine Aufwertung auf das Durchschnittseinkommen.

Wie gesagt: Eine solche Höherbewertung ist für Kinderberücksichtigungszeiten ab 1992 dann möglich, wenn das persönliche Entgelt niedriger war als das Durchschnittsentgelt aller Versicherten. Wie hoch das Durchschnittsgelt in den Jahren seit 1992 war, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen.

Durchschnittsentgelt aller Versicherten

1992 DM 46.820 2003 € 28.938
1993 DM 48.178 2004 € 29.060
1994 DM 49.142 2005 € 29.202
1995 DM 50.665 2006 € 29.494
1996 DM 51.678 2007 € 29.951
1997 DM 52.143 2008 € 30.625
1998 DM 52.925 2009 € 30.506
1999 DM 53.507 2010 € 31.144
2000 DM 54.256 2011 € 32.100
2001 DM 55.216 2012 € 33.002
2002 € 28.626 2013 € 33.659
2014 € 34.514 2015 34.999 (vorläufig)
2016 € 36.267 (vorläufig)

Ausnahme Mini-Job

Aufgewertet werden nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigungszeiten, nicht jedoch Zeiten einer geringfügigen Beschäftigung, soweit diese nicht rentenversicherungspflichtig ist. Zu beachten ist: Seit 2013 gelten neue Mini-Jobs – soweit der Arbeitnehmer keine andere Erklärung abgibt – im Regelfall als rentenversicherungspflichtig.

Von der Möglichkeit, die Rentenversicherungspflicht abzuwählen, sollten insbesondere Mütter (gegebenenfalls auch Väter) in der Kinderberücksichtigungszeit keinen Gebrauch machen. Denn nur so können sie von der Aufwertung der Beschäftigungszeit profitieren. Ein voller 450-Euro-Job wird im Aufwertungsfall bei der Rente immerhin wie ein 675-Euro-Job behandelt.

Extra-Zuschlag bei mehreren Kindern

Eine Sonderregelung gilt für Mütter (für Väter auch, wenn diese die Erziehung übernehmen), die zwei oder mehr Kinder unter zehn Jahren gleichzeitig erziehen. Den Betroffenen wird auch ohne Berufstätigkeit für jedes Jahr ab dem 4. Lebensjahr eines Kindes ein Rentenanspruch anerkannt, als ob sie jährlich ein Arbeitseinkommen im Werte von einem Drittel Entgeltpunkt erzielt hätten.

Kindererziehung

Kinderberücksichtigungszeiten erhöhen zudem die rentenrechtlichen Zeiten, die bei der Erfüllung der Anspruchsvoraussetzung für die Altersrente für langjährig Versicherte, die Rente wegen Erwerbsminderung oder die Altersrente für schwerbehinderte Menschen (420 Monate) erforderlich sind. Wichtig: Auch bei der abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte, für die 45 Versicherungsjahre erforderlich sind, werden Kinderberücksichtigungszeiten als vollwertige Zeiten anerkannt.

Durch die Geburt von mehreren Kindern kann die Mutter – oder auch der Vater – eher die Anspruchsvoraussetzung für die Rente für langjährig Versicherte oder für schwerbehinderte Menschen erfüllen. Diese Anspruchsvoraussetzung ist bei einer Wartezeit von 35 Versicherungsjahren beziehungsweise 420 Monaten erfüllt.

Zur Wartezeit zählen neben Beitrags- und Anrechnungszeiten auch die Kinderberücksichtigungszeiten. Wenn dann immer noch einige Monate für die Erfüllung der Wartezeit von 420 Monaten fehlen, lohnt sich die Entrichtung freiwilliger Beiträge.

Vorteil für Mütter – und Väter

Von der Erziehungszeit profitiert im Regelfall – ganz traditionell – die Mutter. Wenn beide Elternteile das Kind gemeinsam betreuen, können sie sich jedoch die Kindererziehungszeit auch unabhängig vom jeweiligen Erziehungsanteil aufteilen.

Dabei können sie allerdings nicht einfach „Halbe-Halbe“ machen und die Entgeltpunkte teilen. Die Eltern können vielmehr nur die Zeiten aufteilen. Sie können also beispielsweise festlegen, dass die ersten zwölf Monate der Kindererziehungszeit der Mutter und die folgenden 24 Monate dem Vater zugutekommen. Eine entsprechende gemeinsame Erklärung müssen die Eltern ausdrücklich und rechtzeitig abgeben – und zwar mit Wirkung für die Zukunft und nur zwei Monate rückwirkend für die Vergangenheit.

Dafür gibt es das Formular V800, das man im Internet herunterladen kann. Dann wird die Kindererziehung ohne weitere Belege und - ohne Nachfrage der Rentenversicherung – genauso aufgeteilt, wie die Eltern es wünschen. Sie kann durch diese einfache Erklärung auch „willkürlich“ einem Elternteil (etwa dem Vater) zugeordnet werden, der sich kaum um die Kindererziehung gekümmert hat.

Hinweis: Bei der Erziehungszeit gilt der Grundsatz: „Eine Erziehungszeit ist dem Elternteil zuzuordnen, der sein Kind erzogen hat“ (Paragraf 56 Absatz 2 Satz 1 SGB VI). Rentenversicherungsrechte von Vätern, die ihr Kind tatsächlich erzogen haben, erlöschen also nicht dadurch, dass die Eltern es verpasst haben, rechtzeitig eine Erklärung abzugeben, dass der Vater das Kind erzieht beziehungsweise erzogen hat.

Dass der Vater das Kind überwiegend erzogen hat, kann jederzeit, beispielsweise in einem Kontoklärungsverfahren oder auch erst bei der Rentenantragstellung, geltend gemacht werden. Das hat das Bundessozialgericht am 16.12.1997 klargestellt (Aktenzeichen 4 RA 60/97). Der oben skizzierte Weg der rechtzeitigen gemeinsamen Erklärung ist jedoch weit einfacher. Eine nachträgliche Zuordnung der Zeiten zum Vater erfordert gegebenenfalls einen beträchtlichen Begründungsaufwand und bringt unter Umständen sogar sozialgerichtliche Auseinandersetzungen.

Tipp: „Die Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung sollten im Standardfall nach Ablauf der Berücksichtigungszeit – also zehn Jahre nach der Geburt – beantragt werden“, sagt Jochen Müller von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Dafür gibt es das Formular V820, das man auch im Internet herunterladen kann. Eine Höherbewertung von Beschäftigungszeiten kann man der Rentenauskunft des Rentenversicherungsträgers entnehmen. Die eigentliche Höherbewertung erfolgt allerdings erst bei der tatsächlichen Rentenberechnung.

Welche Rentner-Jahrgänge profitieren von den Kinderberücksichtigungszeiten?

Zusatz-Entgeltpunkte für Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung können bei Neurentnern (nicht bei „Bestandsfällen“) seit Anfang 2002 gutgeschrieben werden. Voraussetzung ist dabei, dass die Betroffenen 25 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten nachweisen können. Das fällt allerdings meist nicht allzu schwer, da bei diesen 25 Jahren auch Kinderberücksichtigungszeiten mitgerechnet werden.

Eine Entgeltgutschrift ist möglich für Kinderberücksichtigungszeiten ab 1992 – übrigens auch für vorher geborene Kinder, bis diese zehn Jahre alt sind. Für Zeiten vor 1992 ist – unabhängig von der Kindererziehung – eine Höherbewertung von Zeiten mit niedrigem Arbeitsentgelt möglich.

Ausbildungszeiten aufwerten

Wann und für wen die Ausbildung bei der Rentenberechnung aufgewertet wird.

Auszubildende sind automatisch in der Deutschen Rentenversicherung und in den anderen Sozialversicherungen abgesichert. Ab dem ersten Arbeitstag besteht für Berufsanfänger die Pflicht zur Beitragszahlung. Jeder Azubi muss Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung entrichten.

Die Beiträge zur Rentenversicherung werden vom Azubi und vom Ausbildungsbetrieb je zur Hälfte gezahlt. Ist die Ausbildungsvergütung niedriger als 325 Euro monatlich, zahlt der Arbeitgeber allerdings den vollen Rentenbeitrag.

Auszubildende führen zwar in der Regel aufgrund ihres niedrigen Verdienstes nur geringe Beiträge an die Rentenversicherung ab. In den meisten Fällen ist die Ausbildung für die spätere Rente allerdings deutlich mehr wert. Denn nachgewiesene betriebliche Ausbildungszeiten (nicht jedoch: Schul- und Studienzeiten) werden bei der Rentenberechnung in der Regel höherbewertet – und zwar auf maximal 75 Prozent des Durchschnittsverdienstes aller Versicherten.

Hierzu ein Beispiel: Ihr Bruttoeinkommen während der Ausbildung beträgt 600 Euro monatlich, das macht 7.200 Euro im Jahr. 2016 beträgt das (vorläufige) beitragspflichtige Durchschnittseinkommen aller Versicherten 36.267 Euro. 75 Prozent hiervon sind 27.200 Euro.

Ihre Ausbildungszeit wird – was die Rente betrifft – maximal auf diesen Verdienst hochgewertet. Der Unterschied ist beträchtlich. Ein Jahresverdienst in Höhe von 7.200 Euro würde Ihnen nur Rentenansprüche in Höhe von 5,80 Euro bringen (gilt für die alten Bundesländer, in den neuen Ländern wäre es geringfügig mehr). Durch die Höherbewertung dieser Zeit können die drei Azubi-Jahre jeweils etwa viermal so viel wert sein. Nach dem derzeitigen Rentenwert (bis Ende Juni 2016) kann ein Azubi-Jahr in den alten Bundesländern ein Rentenplus von 21,91 Euro bringen, in den neuen Ländern bis zu 20,29 Euro.

Dies gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Ihre versicherungspflichtigen Einkünfte in Ihrem gesamten Arbeitsleben durchschnittlich mindestens 75 Prozent der Einkünfte aller Versicherten betrugen – andernfalls ist die Höherbewertung durch Ihren niedrigeren individuellen Wert begrenzt. Wenn Sie beispielsweise im Schnitt nur 60 Prozent des Durchschnittseinkommens erzielt haben, wird Ihre Ausbildungszeit auch nur auf maximal 60 Prozent des Durchschnittsverdienstes in den entsprechenden Jahren hochgewertet.

Tipp:

„Wichtig ist, dass die Zeiten einer Lehre im Rentenkonto auch tatsächlich als Ausbildungszeiten verzeichnet sind und nicht als normale Beschäftigungszeiten“, sagt Jochen Müller von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Sollte dies nicht der Fall sein, so können Versicherte jederzeit eine Korrektur des Rentenkontos beantragen. Als Beleg reicht es in der Regel, wenn man den früheren Ausbildungsvertrag vorlegt.

Eine Höherbewertung der Ausbildungszeiten erfolgt dann – soweit hierauf Anspruch besteht – automatisch.

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Rolf Winkel