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Entgeltumwandlung: Das sollten Sie wissen

Wer einen Teil seines Gehalts direkt in eine betriebliche Altersversorgung fließen lässt, kann bei Steuern und Sozialversicherung sparen. Die Entgeltumwandlung lohnt aber nicht immer.

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Junge Frau sitzt nachdenklich vor ihrem Laptop im Homeoffice. Bild: IMAGO / Westend61 / Steve Brookland

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Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber kein anderes Angebot zur Altersvorsorge macht, haben Sie Anspruch darauf, dass er für Sie Teile Ihres Bruttolohns in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds investiert. Voraussetzung ist, dass im Tarifvertrag nichts anderes geregelt ist. 

Sie bekommen dieses Geld also nicht ausgezahlt, sondern es wird direkt in einen Altersvorsorgebeitrag umgewandelt. Knapp acht Millionen Beschäftigte nutzen diese Entgeltumwandlung, um betrieblich fürs Alter vorzusorgen.

Betriebsrente - wie geht das?

Die Altersvorsorge vom Chef oder der Chefin bezuschussen: Wie die Entgeltumwandlung funktioniert und ob sich das lohnt.

Was sind die Vorteile der Entgeltumwandlung?

Auf diesen Teil des Lohns, der in die betriebliche Altersvorsorge fließt, fallen innerhalb bestimmter Grenzen zunächst keine Sozialversicherungsbeiträge und keine Steuern an. Davon profitiert auch Ihr Arbeitgeber. Denn er spart seinen Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen. 

Von der Sozialversicherungspflicht befreit ist ein Betrag einschließlich Arbeitgeberzuschuss von höchstens vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung West. 2023 sind also bis zu 3504 Euro sozialversicherungsfrei

Steuerfrei sind bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, in diesem Jahr also 7008 Euro.

Beispiel Arbeitsverdienst

Brutto 4.000 Euro, Steuerklasse III, keine Kirchensteuer, mit Kind: Nettolohn: 2.911,50 Euro.

Bei 292 Euro Entgeltumwandlung für die Altersversorgung sinkt der sozialversicherungs- und steuerpflichtige Bruttolohn auf 3.708 Euro. Der Nettolohn beträgt dann 2737,57 Euro, er sinkt also um 173,93 Euro. Netto werden für einen monatlichen Altersvorsorgebetrag von 292 Euro damit nur knapp 174 Euro eingesetzt.

Welchen Lohnanteil müssen Arbeitnehmer mindestens umwandeln?

Es gibt einen Mindestbeitrag für die Entgeltumwandlung: 2023 müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jährlich mindestens 254,63 Euro oder monatlich 21,22 Euro umwandeln, um von den Vorteilen der Regelung profitieren zu können.

Was muss der Arbeitgeber zum Altersvorsorgevertrag zuschießen?

Für Beschäftigte lohnt sich die Entgeltumwandlung nur dann, wenn der Arbeitgeber wenigstens das, was er einspart, als Zuschuss in die Altersvorsorge einzahlt. Das konnte er lange Zeit tun – musste es aber in vielen Fällen nicht. Schon seit 2022 gilt:  Wenn ein Vertrag über eine Entgeltumwandlung zugunsten eines Pensionsfonds, einer Pensionskasse oder einer Direktversicherung abgeschlossen wurde, muss der Arbeitgeber dazu mindestens einen Zuschuss von 15 Prozent beisteuern, wenn er dadurch selbst Sozialversicherungsbeiträge spart. Für Neuverträge galt dies bereits seit 2019. Inzwischen gilt es aber auch für vorher bereits bestehende Verträge. 

Ein Zuschuss des Arbeitgebers von 15 Prozent wird im Gesetz nur als Untergröße genannt. Auf Lohnbestandteile, die per Entgeltumwandlung zur Altersvorsorge werden, müsste der Arbeitgeber normalerweise rund 20 Prozent Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Gibt er nur einen Zuschuss von 15 Prozent, so investiert er also noch nicht einmal seine volle Einsparung in den Vertrag.

In vielen Betrieben werden daher heute schon höhere Zulagen gewährt. Damit sich die Sache lohnt für Arbeitnehmer, sollten es schon mindestens 30 Prozent sein, meint die Stiftung Warentest.

Was sind die Nachteile der Entgeltumwandlung?

Mit der Entgeltumwandlung handeln sich Beschäftigte auch Nachteile ein. Da sie geringere Sozialversicherungsbeträge zahlen, fallen auch die Leistungen der Sozialversicherungen niedriger aus. 

Beispiel: Wer von seinem monatlichen Bruttoverdienst von 4000 Euro den sozialversicherungsfreien Höchstbetrag von 292 Euro umwandelt, senkt sein beitragspflichtiges Entgelt auf 3708 Euro. Das hat folgende Konsequenzen:

 

  • Weniger gesetzliche Rente: Der in zwölf Monaten erworbene monatliche gesetzliche Rentenanspruch sinkt von 40,08 Euro auf 37,15 Euro. Aufs Jahr bezogen macht dies ein Rentenminus von 35,16 Euro jeweils nach dem bis Mitte 2023 geltenden aktuellen Rentenwert gerechnet.
  • Weniger Arbeitslosengeld: Das mögliche Arbeitslosengeld sinkt um rund 115 Euro von 1934,10 Euro auf 1818,60 Euro (Steuerklasse III, Kindergeldanspruch).
  • Weniger Krankengeld: Im Krankheitsfall würden statt 2302,20 Euro nur noch 2164,10 Euro monatliches Krankengeld gezahlt, also etwa 138 Euro weniger.
  • Weniger Elterngeld: Auch das Elterngeld fällt für Elternteile, die vor der Entbindung beziehungsweise vor Beginn der Mutterschutzfrist ihr steuer- und beitragspflichtiges Arbeitsentgelt per Entgeltumwandlung gesenkt haben, deutlich niedriger aus.
Tipp

Gerade für gesundheitlich stark angeschlagene Beschäftigte kann es ratsam sein, umgehend die Einzahlungen in einen betrieblichen Altersvorsorgevertrag per Entgeltumwandlung einzustellen. Die positiven Folgen für den Krankengeldanspruch treten schnell ein: Dieses bemisst sich nämlich nach dem letzten betragspflichtigen Arbeitsentgelt.

Höhere Belastung im Alter

Zudem ist noch zu berücksichtigen, dass eine Betriebsrente per Entgeltumwandlung hinsichtlich Steuern und Sozialversicherung wie eine Wippe funktioniert. Denn im Alter, wenn die Betriebsrente zur Auszahlung kommt, werden doch noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge fällig. Der Entlastung im Erwerbsleben steht also einer zusätzlichen Belastung im Alter gegenüber. 

Aber: Weil die meisten Menschen im Alter geringere Einkünfte haben, fallen dann auch weniger Steuern an als im Erwerbsleben – oft sogar gar keine.

Darüber hinaus gibt es bei den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung eine Freibetrags- beziehungsweise Freigrenzenregelung, die die Belastung im Alter mindert. Für eine Betriebsrente von maximal 169,75 Euro monatlich (gilt für 2023) beträgt, fallen damit keine Sozialversicherungsbeiträge an.

Welche Vorteile bringt die Entgeltumwandlung für Spitzenverdiener?

Wenn Sie deutlich über der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung verdienen, lohnt sich die Altersvorsorge per Entgeltumwandlung gleich doppelt: 

 

  1. Höhere Steuerersparnis: Die Steuerersparnis fällt bei Spitzenverdienern besonders hoch aus, da bei ihnen die Steuerprogression stark aufs Bruttoentgelt zugreift.
  2. Keine Nachteile bei der Sozialversicherung: Da sich die Lohnersatzleistungen der Sozialversicherungen ohnehin maximal an der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze orientieren, ergeben sich für Spitzenverdiener bei Rente, Arbeitslosen- und Krankengeld keine Nachteile. Es handelt sich also für sie letztlich um eine rein steuergeförderte Altersvorsorge.

Welche Vorteile bringt die Entgeltumwandlung für privat Krankenversicherte?

Wenn Sie privat krankenversichert sind, öffnet Ihnen die Entgeltumwandlung unter Umständen das Tor zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Das kann sein, wenn Sie dadurch Ihr beitragspflichtiges Entgelt so weit senken, dass es die Versicherungspflichtgrenze unterschreitet. Voraussetzung:  Sie sind jünger als 55 Jahre. 

Die bundeseinheitliche Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt 2023 bei 5550 Euro brutto im Monat. Für diejenigen, die schon Ende 2002 privat versichert waren, gilt die besondere Versicherungspflichtgrenze von 4987,50 Euro im Monat. 

Werden diese Werte durch die Entgeltumwandlung unterschritten, so tritt Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung ein.

Entgeltumwandlung bei Geringverdienern – Arbeitgeber kassieren Bonus

Wer nur ein geringes Einkommen hat, sorgt meist weniger fürs Alter vor. Das soll sich unter anderem durch eine 2018 eingeführte Regelung ändern, die einen Anreiz für Arbeitgeber gibt, Geringverdienern besonders hohe Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge zu geben. 

Als Geringverdiener gelten dabei Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von bis zu 2200 Euro. Betriebe, die die Sparpläne dieser Arbeitnehmer mit jährlich zwischen 240 und 480 Euro bezuschussen, können hierfür eine staatliche Förderung in Höhe von 30 Prozent erhalten – also 72 bis 144 Euro. Die staatliche Förderung geht also nicht direkt an Arbeitnehmer, sondern an Arbeitgeber, die entsprechend hohe Zuschüsse leisten. Ein Rechtsanspruch für Arbeitnehmer ergibt sich daraus nicht.

Wird die betriebliche Altersversorgung bei der Grundsicherung im Alter angerechnet?

Viele Geringverdiener werden im Alter zusätzlich auf Grundsicherung (also die Alters-Sozialhilfe) angewiesen sein, weil die gesetzliche Rente allein nicht ausreicht. Für sie kann es dann große Vorteile bringen, wenn sie betrieblich oder auch privat zusätzlich fürs Alter vorgesorgt haben. Denn für Rentenleistungen, die neben der gesetzlichen Rente bezogen werden, gilt ein Freibetrag von mindestens 100 und maximal 251 Euro (gilt für 2023). Faktisch bedeutet dies: Ihnen winkt durch die erworbenen Betriebsrentenansprüche eine Art „Grundsicherung plus“.


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