Frankfurt (bpb). Sollte das Altersvorsorgedepot tatsächlich später als zum Jahresbeginn 2027 starten, wie Beobachter derzeit argwöhnen, hätte es ein Gutes: Die Öffentlichkeit könnte besser über die Vorteile informiert werden und ein höheres Interesse am neuen Sparmodell entwickeln. Zwar laufen sich Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften schon warm, um mit Kampagnen für konkrete Angebote baldmöglichst loslegen zu können, doch hält sich die Nachfrage sämtlicher potenzieller Anleger noch in Grenzen. Bei einer telefonischen yougov-Umfrage im Auftrag der Postbank gaben Anfang April 46 Prozent der Befragten an, dass der Abschluss eines Altersvorsorgedepots für sie nicht infrage kommt. „Ein Grund dafür ist die verbreitete Unsicherheit im Umgang mit Wertpapieren“, sagt Michael Koschatzki, Fachmann für Investmentprodukte bei der zur Deutschen-Bank-Gruppe zählenden Postbank. „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher tun sich schwer, Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen – insbesondere Wertschwankungen und mögliche Verluste."
Knapp 40 Prozent wollen neues Vorsorgesparen nutzen
Das Interesse an der neuen Form des geförderten Sparens ist dabei grundsätzlich vorhanden: Unter 1.105 Erwerbstätigen kann sich mehr als jeder Dritte (38 Prozent) vorstellen, ein Altersvorsorgedepot zu nutzen. Besonders hoch ist die Aufgeschlossenheit bei Menschen, die bereits im Rahmen ihrer Altersvorsorge in Wertpapiere investieren: Rund 60 Prozent von ihnen ziehen ein solches Depot in Betracht. Auch bei jüngeren Befragten ist das Interesse
überdurchschnittlich ausgeprägt.
Schwierige Einschätzung des Verlustrisikos als Hemmnis
Bemerkenswert aus Sicht der Postbank: Jeder Fünfte (20 Prozent), der privat vorsorgt, aber bislang keine Wertpapiere nutzt, würde ein Altersvorsorgedepot wahrscheinlich abschließen. Gleichzeitig sind viele Menschen zurückhaltend: Laut Umfrage kann knapp jeder Dritte (32 Prozent) das Verlustrisiko von Wertpapieren mit Blick auf die persönlichen Finanzen überhaupt nicht beurteilen.
Feste Auszahlbeträge bevorzugt
Die Umfrage zeigt eine Präferenz vieler Menschen für sicherheitsorientierte Modelle: 34 Prozent der Erwerbstätigen würden eine Anlage mit einem festen Auszahlungsbetrag bevorzugen, während sich rund 23 Prozent eher für eine chancenorientierte Lösung entscheiden würden. „Ob mehr Menschen dafür gewonnen werden können, mit Wertpapieren für ihr Alter vorzusorgen, wird auch davon abhängen, wie gut es gelingt, über Chancen und
Risiken aufzuklären und ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten“,
erklärt der Postbank-Experte.
Neue Sparform nutzt Kapitalmarkt
Das Altersvorsorgedepot sieht vor, dass regelmäßig in Wertpapiere wie Fonds oder
ETFs investiert wird, deren Anlagen breit gestreut sind. Staatliche Zulagen und
steuerliche Vorteile sollen den Vermögensaufbau unterstützen. Gleichzeitig gilt: Anders
als bei klassischen Vorsorgeprodukten kann auch in Produkte investiert werden, deren
Wertentwicklung den Schwankungen der Kapitalmärkte unterliegt. Verluste bis hin zum
eingesetzten Kapital sind theoretisch möglich.
Informationen zur Umfrage
Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland
GmbH, an der 2.059 Personen zwischen dem 2. und 5. April 2026 teilnahmen. Die
Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab
18 Jahren.
