München (tö). Die meisten Angebote für private Rentenversicherungen sind für die zusätzliche Altersvorsorge nicht gut genug. Das ist das Ergebnis eines Doppeltests von Stiftung Warentest. Die Tester nahmen dabei 14 klassische Rentenversicherungen, bei denen das Kundengeld nicht in Fonds fließt, sowie 22 Tarife für fondsgebundene Rentenversicherungen unter die Lupe. Das Ergebnis der Tester: Bei der überwiegenden Mehrheit der Angebote waren die Kosten zu hoch, um eine vernünftige Altersvorsorge zu ermöglichen. Die Stiftung rät deshalb, lieber mit ETF-Sparplänen - also mit börsennotierten Indexfonds, die bestimmten Börsenindizes folgen -, „selbstbestimmt für das Alter“ zu sparen. Die wichtigsten Testergebnisse im Einzelnen:
Klassische private Rentenversicherungen:
- Keines der geprüften Angebote schneidet mit „sehr gut“ ab, nur drei Angebote bezeichnete die Stiftung als „gut“.
- Selbst bei günstigen Tarifen müssen Kundinnen und Kunden sehr alt werden, um über die Garantierente ihre eingezahlten Beiträge wieder herauszuholen.
- In einigen Fällen gibt es eine garantierte Rente, die unter dem eingezahlten Betrag liegt - das galt auch für das Angebot des Marktführers, der Allianz.
- Testsieger war der Versicherer Europa, der die Tester wegen der niedrigen Kosten überzeugte. So mindern bei Europa die Kosten die Rendite um 0,32 Prozentpunkte, bei der Allianz mit 1,24 Prozentpunkten fast viermal so viel. Der zweitplatzierte Anbieter, die Hannoversche, überzeugte mit der höchsten Garantierente. Aber selbst bei diesem Versicherer muss eine Modellkundin 92 Jahre alt werden, damit sie ihre Beiträge überhaupt wieder herausbekommt. Verbraucherschützer empfehlen deshalb Versicherten, immer stets zu prüfen, ob eine Kapitalauszahlung auf einen Schlag für sie nicht besser geeignet ist.
Fondsgebundene Rentenversicherungen:
- Auch hier schneiden nur drei Anbieter mit „gut“ ab, keiner mit „sehr gut“.
- Die Warentester kritisieren, dass zu Beginn des Vertrags ein großer Teil der Beiträge „gar nicht in das Investment, sondern in die Kassen der Versicherer“ fließe. Deswegen seien die Verträge „in den ersten Jahren deutlich im Minus selbst, wenn die Fonds gut laufen“.
- Die Versicherer nennen in ihren Verträgen den sogenannten Rentenfaktor. Er besagt, wie hoch die monatliche Rente pro 10.000 Euro Guthaben ausfallen soll. Beispiel: Bei einem garantierten Rentenfaktor von 22, wie bei manchen Anbietern der Fall, „muss der Kunde 38 Jahre warten, bis er das erreichte Vermögen in Form von Renten wiedersieht. Bei einem Renteneintritt mit 67 ist er dann 105 Jahre alt“, kritisiert die Stiftung.
- Die Steuervorteile der Fondspolicen brächten den Kunden nur dann etwas, wenn Kunden den Vertrag bis zum Ende durchhalten und „wenn es ein einigermaßen günstiger Tarif ist“. Solche Angebote, so die Tester, gebe es aber kaum.
- Testsieger war auch bei dieser Variante der Versicherer Europa, wegen der deutlich niedrigeren Kosten im Vergleich zu anderen Angeboten. Ein paar Zehntel Renditeabzug wegen mehr oder weniger hoher Kosten können aber zehntausende Euro ausmachen. So rechnet die Stiftung rechnet vor: „In unserem Modellfall über 30 Jahre mit 200 Euro monatlicher Einzahlung kämen im günstigen Fall fast 183.000 Euro zusammen, im teuren Fall nur fast 154.000 Euro. Das ist ein Unterschied von fast 30.000 Euro.“
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