Berlin (iv). Der Bestand an staatlich geförderten Riester-Verträgen ist im dritten Quartal 2020 weiter gesunken. Das geht aus der neuen Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zuvor.
Demnach existierten zwischen Juli und September noch 16,388 Millionen Verträge, rund 37.000 weniger als im Quartal zuvor. Federn lassen mussten alle Vertragsvarianten, am stärksten die populärste Variante der Versicherungsverträge.
| Vertragsform | Bestand in Mio. | Vergleich zu Q2/2020 (gerundet) |
|---|---|---|
| Versicherungen | 10,698 | -17.000 |
| Banksparverträge | 0,591 | -8.000 |
| Fondsverträge | 3,294 | -3.000 |
| Wohn-Riester | 1,805 | -10.000 |
Riester-Rente: Warten auf die Reform
Auch die Bundesregierung hat die Defizite der Riester-Rente längst erkannt. Auch wenn manche noch von einem Erfolgsmodell sprechen, haben sich Union und SPD im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge anzugehen. Gerechter und einfacher soll sie werden, so das Ziel. Ein Standard-Produkt soll her. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Seit Längerem werden verschiedene Vorschläge diskutiert. Allein: Der gemeinsame Nenner fehlt.
So drängt die Finanzbranche darauf, die Garantiezusagen zu kippen, um die Renditechancen zu erhöhen. Teile der Union unterstützen das. Die Verbraucherzentralen hingegen wehren sich vehement dagegen. Auch in der Frage, ob der Kreis der Berechtigten ausgedehnt werden soll, herrscht keine Einigkeit. SPD-Finanzexperte Lothar Binding will die Riester-Rente lieber ganz abschaffen und dafür die selbstgenutzte Immobilie stärker fördern.
So ist neun Monate vor der Bundestagswahl die Riester-Reform wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Wohl auch, weil das zuständige Finanzministerium mit der Corona-Krise alle Hände voll zu tun hat. Zwar drängt die Union weiter auf eine schnelle Umsetzung. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.
Aus dem ursprünglich für Dezember erwarteten ersten Gesetzentwurf ist bislangs nichts geworden. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion vom 22. Dezember haben zwar Gespräche mit Anbieterverbänden, Verbraucherschützern und Sozialpartnern stattgefunden. Dabei seien aber noch mal „sehr unterschiedliche Auffassungen” deutlich geworden. Die Meinungsbildung sei deshalb noch nicht abgeschlossen.
