Witwenrente und Einkommen: Was Nullrentner tun können
Volle Witwenrente im Sterbevierteljahr
Die ersten drei Monate nach dem Tod des Ehepartners sind auch als „Sterbevierteljahr“ bekannt. In dieser Zeit zahlt die Deutsche Rentenversicherung Witwen und Witwern eine Hinterbliebenenrente in voller Höhe der Rente des Verstorbenen. Das gilt auch für Hinterbliebene einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Ein mögliches eigenes Einkommen spielt im Sterbevierteljahr keine Rolle.
Hat die verstorbene Person noch keine Rente bezogen, zahlt die Rentenversicherung eine (fiktive) Erwerbsminderungsrente, die sie hätte bekommen können.
Voraussetzung ist jeweils, dass diese die fünfjährige Anwartschaftszeit für die reguläre Altersrente erfüllt hatte.
Was ändert sich nach dem Sterbevierteljahr?
Nach der Drei-Monats-Phase interessiert sich die Rentenversicherung für die Höhe des Einkommens der Witwe oder des Witwers. Überschreitet es eine bestimmte Grenze, kürzt sie die Hinterbliebenenrente. Dann werden 40 Prozentdes übersteigenden Einkommens auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.
Wie hoch liegt der Freibetrag für Witwenrenten 2023?
Der Einkommensfreibetrag für Witwenrenten liegt seit 1.7.2023 bei 992,64 Euro. Er erhöht sich mit jedem Kind, das grundsätzlich Anspruch auf Waisenrente hat, um 210,56 Euro.
Zwischen Ost und West wird kein Unterschied mehr gemacht. Die Beträge sind an die jährliche Rentenanpassung jeweils zum Juli gekoppelt.
Kann die Hinterbliebenenrente auch völlig wegfallen?
Ja, das passiert sogar häufig – und zwar nicht nur direkt nach Ablauf des Sterbevierteljahrs, sondern auch noch Jahre später. Denn die Rentenversicherung überprüft jedes Jahr bei der turnusmäßigen Rentenanpassung zum Juli, wie sich das Einkommen der Witwe oder des Witwers entwickelt hat.
Ist es so stark gestiegen, dass das anzurechnende Einkommen die Hinterbliebenenrente auf null Euro reduziert, stellt sie die Zahlungen ein. Die Hinterbliebenenrente ruht vorerst.
Die auf diese Weise weggefallenen Renten heißen bei der Deutschen Rentenversicherung „Nullrenten“. 538.000 solcher Nullrentner verzeichnete die Behörde im vergangenen Jahr. Meist waren das Männer. Deren anzurechnendes Einkommen ist in der Regel höher. Zudem fällt die Witwerrente, mit der Männer zu rechnen haben, meist geringer aus.
Beispiel: So wird Einkommen auf die Witwenrente angerechnet
- Angenommen, ein 60-jähriger Witwer hat grundsätzlich Anspruch auf 550 Euro Witwerrente. Er hatte im letzten Jahr ein eigenes monatliches Einkommen in Höhe von 6000 Euro brutto.
- Die Deutsche Rentenversicherung zieht von diesem Einkommen 40 Prozent ab und errechnet so ein fiktives Nettoeinkommen von 3600 Euro. Es kommt also nicht darauf an, wieviel der Witwer tatsächlich laut Lohnzettel ausgezahlt bekommt.
- Der Freibetrag liegt derzeit bei 992,64 Euro. Mit diesen 3600 Euro netto wird der Freibetrag um 2607,36 Euro überschritten.
- 40 Prozent davon werden auf die Hinterbliebenenrente angerechnet, das sind 1042,94 Euro.
- Von der Hinterbliebenenrente des Witwers sind also 1042,94 Euro abzuziehen. Da die Rente aber nur 550 Euro beträgt, entfällt der Rentenanspruch ganz. So wird er zum Nullrentner.
Was passiert mit der Witwenrente, wenn das Einkommen sinkt?
Dann kann sofort wieder Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente bestehen.
- Angenommen, der 60-jährige Witwer des Beispielfalls halbiert seine Arbeitszeit und verdient brutto nur noch 3000 Euro im Monat.
- Nach der Rechnung der Rentenversicherung beträgt sein fiktives Nettoeinkommen nur noch auf 1800 Euro. Das sind 807,36 Euro mehr als der aktuelle Freibetrag.
- Die Hinterbliebenenrente wird um 322,94 Euro reduziert (40 Prozent von 807,36).
- Bei einem grundsätzlichen Anspruch auf eine Witwerrente von 550 Euro bleiben immerhin noch knapp 230 Euro, abzüglich der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Die Witwerrente würde damit den Einkommensverlust durch die Arbeitszeitverringerung teilweise ausgleichen.
Wie kann ich als Nullrentner wieder eine Hinterbliebenenrente bekommen?
Bei laufenden Hinterbliebenenrenten wird jeweils zum Stichtag 1. Juli das anzurechnende Einkommen überprüft. Die Rentenversicherung verschickt hierzu das Formular R0660. Nullrentner erhalten dieses Formular aber nicht. Sie werden also nicht an Ihren möglichen Anspruch auf Hinterbliebenenrente erinnert.
Nullrentner, die aufgrund eines gesunkenen Einkommens wieder Hinterbliebenenrente erhalten wollen, müssen selbst aktiv werden und die Überprüfung Ihres Anspruchs beantragen.
Wann kann ich eine Neuberechnung der Witwenrente beantragen?
Sie können bereits bei einem Rückgang Ihres Arbeitseinkommens um zehn Prozent eine Neuberechnung Ihrer Witwer- oder Witwenrente beantragen. Möglich ist das schon für den Monat des Einkommensrückgangs. Das regelt Paragraph 18b Absatz 3 des vierten Sozialgesetzbuchs (SGB IV).
Diese Regelung bezieht sich auf die Bruttoeinkünfte der Bezieher von Hinterbliebenenrente.
Beispiel: Sie hatten bei der letzten Berechnung der Hinterbliebenenrente monatliche Bruttoeinkünfte in Höhe von 3000 Euro. Nun arbeiten Sie etwas weniger verdienen nur noch 2600 Euro. Ihr Einkommen ist somit um 13,3 Prozent gesunken. Sie haben Anspruch auf eine Neuberechnung.
Was passiert mit der Witwenrente, wenn ich als Nullrentner selbst in Altersrente gehe?
Dann können Sie zusätzlich zu Ihrer eigenen Altersrente unter Umständen auch wieder Hinterbliebenenrente beziehen. Deshalb wird im Antrag auf Altersrente gefragt, ob Sie Hinterbliebenenrente beziehen oder bezogen haben.
Bejahen Sie diese Frage, so fordert Sie die Rentenversicherung auf, einen Fragebogen zur Überprüfung der Einkommensanrechnung bei der Witwen- oder Witwerrente auszufüllen. Die Versicherung prüft dann, ob und in welcher Höhe Sie neben der Altersrente auch Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente haben.
Die Rentenversicherung berechnet die fiktive Nettorente, indem sie von der Bruttorente 14 Prozent abzieht. Der Freibetrag beträgt ebenfalls 992,64 Euro monatlich. 40 Prozent werden auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.
Beispiel: So wird eine Altersrente auf die Witwenrente angerechnet
- Ein Rentner hat grundsätzlich Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente von 550 Euro und erhält eine Altersrente von 1500 Euro brutto. Dann gelten 1290 Euro als Nettorente (1500-14%).
- Das sind 297,36 Euro mehr als der Freibetrag. Davon werden 40 Prozent, also 118,94 Euro, auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.
- Dem Rentner bleiben somit noch 431,06 Euro (550-118,94) Hinterbliebenenrente. Die eigene Altersrente bekommt er in voller Höhe.
Wie lange kann ich niedrigeres Einkommen rückwirkend melden?
Wenn Sie es verpasst haben, der Rentenversicherung rechtzeitig Ihr gesunkenes Einkommen mitzuteilen, haben Sie noch nichts verloren. Stellen Sie in diesem Fall einen Überprüfungsantrag.
Wenn sich dann ein Hinterbliebenenrentenanspruch ergibt, kann es eine Rentennachzahlung für bis zu vier Jahre rückwirkend geben.
Der Vier-Jahres-Zeitraum wird vom Beginn des Jahres an zurückgerechnet, in dem Sie den Überprüfungsantrag stellen. Beispiel: Sie stellen den Antrag im November 2023. Dann kann es rückwirkend ab Anfang 2019 zu einer Nachzahlung der Hinterbliebenenrente kommen.
Deutsche Rentenversicherung: Renten für Hinterbliebene
Die Deutsche Rentenversicherung bietet auch Broschüren zum Thema als PDF zum Download an:
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