Köln (iw/sth). Jahrzehntelang hat der deutsche Arbeitsmarkt von den zwischen 1954 und 1969 geborenen geburtenstarken Jahrgängen profitiert. Inzwischen sind die ersten Babyboomer im Rentenalter angekommen. Im Jahr 2022 erreichten bereits mehr als drei Millionen Mitglieder der geburtenstarken Jahrgänge das gesetzliche Renteneintrittsalter. Neue Auswertungen aus der IW-Bevölkerungsprognose zeigen jetzt, wie es in den kommenden Jahren weitergeht: Bis 2036 überschreiten demzufolge weitere 16,5 Millionen Babyboomer die Altersschwelle.
Das hat Folgen – für den Arbeitsmarkt genauso wie für die Sozialversicherung. Denn im gleichen Zeitraum strömen den IW-Berechnungen zufolge nur etwa 12,5 Millionen erwerbsfähige Personen auf den Arbeitsmarkt nach. Kamen im Jahr 2022 auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter knapp 30 Menschen über 67 Jahren, werden es nach IW-Berechnungen im Jahr 2040 etwa 41 sein. “Deutschland drohen damit verschärfte Konflikte, etwa hinsichtlich der Verteilung von sozialen Leistungen”, schreiben die IW-Forscher Holger Schäfer und Philipp Deschermeier, Auch das potenzielle Wirtschaftswachstum könne “für lange Zeit einbrechen, sofern nichts passiert”.
Die Politik muss dringend handeln
Die Politik muss nach Ansicht des IW “die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland intensivieren und stärken” – etwa durch eine schnellere Visavergabe und eine leichtere Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen. “Zudem sollte die Bundesregierung Anreize schaffen, damit mehr erwerbstätige Personen über das Renteneintrittsalter hinaus im Job bleiben”, greift das IW die geplanten rentenpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung aus ihrer “Wachstumsinitiative” auf. der Auch die individuelle Arbeitszeit von Erwerbstätigen sollte erhöht werden, um das bestehende Potenzial besser auszuschöpfen, fordert das IW.
Die anstehende Welle der in Rente gehenden Babyboomer werde zu “Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen“, glaubt IW-Ökonom Holger Schäfer. Die Folgen seien ”womöglich nur schwer beherrschbar". Die Politik müsse deshalb nun Prioritäten setzen und "geltende sowie neue Gesetze hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf das Arbeitskräfteangebot prüfen“, so Schäfer.
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