Brutto und netto 2024: Wer wie viel mehr bekommt
2024 bleibt für Arbeitnehmer mehr Netto vom Brutto übrig. Bei Durchschnittsverdienern können zum Beispiel nach Angaben des Nürnberger IT-Dienstleisters Datev mehr als 300 Euro pro Jahr zusätzlich herausspringen. Wie viel bei welchem Einkommen ankommt – ein Überblick.
Wie Gutverdiener profitieren
Betrachtet man die absoluten Zahlen, profitieren wie immer diejenigen am meisten, die aufgrund ihres hohen Einkommens besonders hohe Abzüge haben. So kann sich ein Single mit einem Bruttogehalt von 7000 Euro über das größte Plus freuen. Ihm bleiben über das Jahr 563 Euro mehr übrig, bei einer Alleinerziehenden mit einem Kind sind es immerhin noch 442 Euro mehr auf dem Konto (siehe Tabelle).
Bei einem Verheirateten im Top-Gehaltssegment mit 9000 Euro brutto im Monat, für den im Westen Sozialbeiträge fällig werden, steigt der Nettoverdienst im neuen Jahr mit zwei Kindern um 373 Euro, bei Kinderlosen um 311 Euro.
| Jährliche Nettoentlastung 2024 | ||||
| Monatsbrutto in Euro | Steuerklasse I, | Steuerklasse III, | Steuerklasse III, | Steuerklasse II, |
| Single | verheiratet, 2 Kinder | verheiratet, kinderlos | alleinerziehend, 1 Kind | |
| Differenz zu 2023 in Euro | ||||
| 2000 | 141 | -33 | -63 | 110 |
| 2500 | 153 | 123 | 82 | 160 |
| 3000 | 171 | 236 | 197 | 179 |
| 3500 | 196 | 315 | 273 | 203 |
| 4000 | 225 | 333 | 288 | 233 |
| 4500 | 260 | 351 | 298 | 269 |
| 5000 | 293 | 359 | 301 | 300 |
| 5500 | 218 | 240 | 175 | 223 |
| 6000 | 294 | 277 | 213 | 293 |
| 6500 | 294 | 319 | 253 | 369 |
| 7000 | 563 | 364 | 299 | 442 |
| 7500 | 413 | 227 | 164 | 290 |
| 8000 | 376 | 240 | 178 | 360 |
| 8500 | 376 | 305 | 243 | 441 |
| 9000 | 376 | 373 | 311 | 441 |
Die Tabelle zeigt die Veränderung der Jahres-Nettoeinkommens 2023 auf 2024. Positive Werte bedeuten eine Nettoentlastung, negative eine Belastung. Die Werte wurden für das Bundesland Bayern und ohne Kirchensteuer ermittelt, um die Vergleichbarkeit zu sichern. Der Arbeitnehmer ist in der gesetzlichen Krankenversicherung. Für 2023 wurde mit einem individuellen Zusatzbeitrag von 1,6 Prozent gerechnet, für 2024 mit 1,7 Prozent. Quelle: Datev
Wie viel Durchschnittsverdienern mehr bleibt
Bei durchschnittlich Verdienenden mit monatlich 3500 Euro brutto profitieren Verheiratete stärker als Alleinstehende. So verfügt den Berechnungen von Datev zufolge eine Verheiratete mit zwei Kindern in dieser Gehaltsklasse über zusätzliche 315 Euro, eine kinderlose Verheiratete über 273 Euro. Gemessen an ihrem Einkommen fällt das Plus damit deutlicher aus als bei den Gutverdienern. Dem Single mit 3500 Euro brutto im Monat bleiben hingegen gerade einmal 196 Euro mehr übrig als 2023, bei einem alleinerziehenden Elternteil sind es 203 Euro.
Wer 2024 sogar draufzahlt
Düster sieht es allerdings für Verheiratete aus, die mit einem Bruttogehalt von 2000 Euro gerade noch im Midijob-Bereich liegen. Ihre Abgaben erhöhen sich aufgrund der Anhebungen bei einzelnen Sozialbeiträgen leicht um 33 Euro (mit zwei Kindern) beziehungsweise 63 Euro (kinderlos) im Jahr.
Wie die Zahlen zustande kommen
Laut dem Nürnberger IT-Dienstleister Datev, der jeden Monat die Lohn- und Gehaltsabrechnungen für etwa 14 Millionen Arbeitnehmer erstellt, können die meisten Arbeitnehmer fest damit rechnen, dass sie mit Beginn des neuen Jahres „höhere Nettosummen auf ihrer Gehaltsabrechnung vorfinden“. Im Durchschnitt werde die Entlastung aber „etwas moderater“ ausfallen als in den Vorjahren, teilt Datev mit.
Die Fachleute in dem Softwarehaus rechneten dabei so: Zunächst berücksichtigten sie die wichtigsten gesetzlichen Änderungen zum Jahreswechsel wie den höheren Grundfreibetrag. Das ist der Betrag, den eine Bürgerin oder ein Bürger mindestens benötigt, um sich die wichtigsten täglichen Dinge im Alltag (Wohnkosten, Ernährung, Kleidung) leisten zu können. Wegen der starken Teuerung ist dieses Existenzminimum deutlich gestiegen. Die Bundesregierung hat daher den Grundfreibetrag von 10.908 auf 11.604 Euro im neuen Jahr erhöht. Damit steigt auch die Grenze für den Spitzensteuersatz von 42 Prozent, und zwar von einem versteuernden Einkommen von 62.810 Euro (2023) auf 66.761 Euro (2024).
Wie Steuerzahler 2024 noch einmal profitieren können
Es gilt als wahrscheinlich, dass die Bürger im Laufe des Jahres 2024 sogar noch stärker entlastet werden. Mütter und Väter werden deutlich mehr netto haben, falls wie geplant der Kinderfreibetrag von noch 3012 Euro auf 3306 Euro pro Elternteil erhöht wird. Diese Erhöhung hat Datev in seinen Berechnungen noch nicht berücksichtigt.
Außerdem dürfte der Grundfreibetrag noch deutlicher steigen. Der Grundfreibetrag könnte deshalb im Laufe des Jahres 2024 um weitere 180 Euro auf 11 784 Euro zulegen.
Diese höheren Freibeträge wird die Bundesregierung voraussichtlich erst im Frühjahr mit dem sogenannten Jahressteuergesetz auf den Weg bringen. Laut Datev werden sie jedoch „voraussichtlich rückwirkend zum 1.1.2024 in Kraft treten“. Arbeitgeber müssen sie deshalb nachträglich bei der Gehaltsabrechnung berücksichtigen. Normalerweise zahlt der Arbeitgeber dann die Differenz, also den steuerlichen Vorteil aufgrund der erneuten Erhöhung der Freibeträge, für die nicht berücksichtigten Monate einmal gebündelt mit einem Monatsgehalt aus.
Was bei den Steuern noch besser wird
Ausgeglichen wird auch die sogenannte „kalte Progression“ im Steuertarif. Davon ist die Rede, wenn Arbeitnehmer nach einer Gehaltserhöhung mehr Steuern zahlen müssen, obwohl sich ihre Kaufkraft wegen der Teuerung gar nicht erhöht hat. Das ist besonders dann ein Problem, wenn die Preise stärker zulegen als die Löhne, das Realeinkommen also zurückgeht. Beim Ausgleich der kalten Progression greifen die mit wachsendem Einkommen schrittweise steigenden Steuersätze erst ab einem höheren Betrag als bisher. Dadurch steigt auch die Einkommensgrenze, ab der der Solidaritätszuschlag zu zahlen ist. Der sogenannte Reichensteuersatz von 45 Prozent wird 2024 bei Ledigen jedoch unverändert bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 277.826 Euro einsetzen.
Warum wegen der Sozialabgaben die Entlastung geringer ausfällt
Unterm Strich wäre netto 2024 sogar noch mehr drin, würden nicht wieder die Grenzen angehoben werden, bis zu denen Sozialabgaben fällig sind.
- So erhöht sich in der Renten- und Arbeitslosenversicherung die monatliche Beitragsbemessungsgrenze um 250 Euro auf 7550 Euro im Westen und um 350 Euro auf 7450 Euro im Osten.
- In der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze im neuen Jahr bundesweit um 187,50 auf 5175 Euro.
- Hinzu kommt je nach Krankenkasse gegebenenfalls der Anstieg des individuellen Zusatzbeitrags zur Krankenversicherung. Da der durchschnittliche Zusatzbeitrag um 0,1 Prozentpunkte gestiegen ist, rechnet Datev für 2024 mit einem Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent statt 1,6 Prozent 2023. Der allgemeine Beitragssatz beläuft sich weiter auf 14,6 Prozent.
Wie sich beim Krankenkassenbeitrag sparen lässt
Beim Krankenkassenbeitrag können nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Rentnerinnen und Rentner mehr Netto vom Brutto herausholen. So hat sich die Stiftung Warentest bei den 73 Krankenkassen, die für alle Versicherten in Deutschland offenstehen, nach ihren Beitragssätzen im neuen Jahr erkundigt. Demnach ist in der Spitze ein Gesamtbeitrag (Allgemeiner Beitrag plus Zusatzbeitrag) von 16,59 Prozent zu leisten. Günstigere Krankenkassen wie die Audi BKK (15,60 Prozent), die hkk (15,58 Prozent) oder die größte deutsche Krankenkasse, die TK (15,80 Prozent), verlangen deutlich weniger. Ein Wechsel könne sich daher lohnen, empfehlen die Warentester. Angestellte, die 2000 oder 3000 Euro brutto verdienen, könnten so rund 108 oder 162 Euro im Jahr an Krankenkassenbeiträgen sparen.
