Rente / 14.10.2019

Altersvorsorge für Frauen: So stopfen Sie die Rentenlücke

Teilzeitarbeit bedeutet weniger Rente. Aber wie können Frauen die entstandene Lücke im Alter füllen? Das hat Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für ihre-vorsorge.de ausgerechnet.

Bild zum Thema Altersvorsorge für Frauen: So stopfen Sie die Rentenlücke. Tochter rennt in die Arme ihrer Mutter.

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Unsere Beispielfrau Martina Häuser hat sich entschlossen, die letzten 25 Berufsjahre bis zu Rente auf eine 75-Prozent-Stelle aufzustocken. Sie bekäme dafür eine Bruttorente von 1.368,44 Euro. Aber wird ihr das zum Leben reichen?

Von der Rente gehen noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Für Martina Häuser wären das 147,79 Euro (106,05 Euro für die Kranken- und 41,74 Euro für die Pflegeversicherung). Von der Bruttorente bleiben dann noch 1.220,65 Euro. Außerdem werden – je nach Steuersatz und Höhe der gesamten Alterseinkünfte – auch Steuern fällig.

Einkommenslücke von 148 Euro pro Monat

Als Faustregel gilt: Rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens reichen im Rentenalter aus.

Martina Häuser verdient künftig 2.431,50 Euro brutto, 75 Prozent des derzeitigen Durchschnittsgehalts. Netto sind das – bei Steuerklasse IV – etwa 1.600 Euro. 80 Prozent davon sind 1.350 Euro. Wenn sie ihre Arbeitszeit auf 75 Prozent aufstockt, erreicht sie also eine Bruttoaltersrente, die schon fast 80 Prozent ihres letzten Nettos beträgt. Die Vorsorgelücke, die sie mit zusätzlicher Vorsorge füllen müsste, beträgt knapp 148 Euro – pro Monat und ein Leben lang. Wenn die Inflation höher ausfällt als die jährliche Rentenanpassung, wird sie sogar mehr benötigen.

Nicht jede Rentenlücke ist auch ein Problem

Ob das für Martina Häuser im Alter aber wirklich zum Problem wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Wird sie bis zur Rente verheiratet bleiben?
    Wenn ja, ist ihre Teilzeitarbeit vermutlich kein Problem, denn dann wird sie im Alter gemeinsam mit Ihrem Mann von der gemeinsamen Rente leben. Lässt sie sich scheiden, werden die Rentenansprüche beider Partner, die sie während der Ehe erwirtschaftet haben, zusammengerechnet und jeder bekommt die Hälfte (siehe Versorgungsausgleich). Dann dürfte ihre Rente – je nach Verdienst des Mannes – noch etwas steigen.
  • Wird Sie im Alter im abbezahlten Eigentum leben?
    Wenn ja, fallen Mietkosten oder Darlehensraten weg und sie braucht weniger Geld zum Leben. Aber sie braucht ein flexibles Polster wegen der Kosten für Sanierung und Instandhaltung.
  • Wie verläuft die Karriere?
    Nicht immer steigt das Einkommen auch ohne Karrieresprünge, je nach Tarifvertrag. Vom Einkommensverlauf im Vergleich zum Durchschnittsverdienst hängen auch die Rentenansprüche ab.
  • Braucht sie ein Auto?

Wenn Martina Häuser im Alter aber auf die 148 Euro zusätzlich angewiesen sein sollte, muss sie vorsorgen.

Geht man davon aus, dass Martina Häuser 87 Jahre alt wird, bezieht sie also 20 Jahre lang Rente – und muss auch eine zusätzliche Altersvorsorge haben, die über 20 Jahre hinweg jeden Monat 148 Euro hergibt. Sie muss also – der Einfachheit halber Zinsen und Preissteigerungen außen vor gelassen – eine Gesamtsumme von 35.520 Euro ansparen (148 Euro x 12 Monate x 20 Jahre = 35.520 Euro). Soll das Geld sogar bis zum 97. Lebensjahr reichen, wie übrigens viele Versicherer das kalkulieren, braucht sie noch einmal die Hälfte mehr.

Die richtige Altersvorsorge finden

Aber wie kann sie am besten vorsorgen und wie viel Geld muss sie dafür aufbringen?

„Wie viel sie dafür aufbringen muss, hängt von der Art der Geldanlage und den künftigen Erträgen ab“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentale Baden-Württemberg.

„Legt sie nur in Festgeld an, muss sie monatlich wahrscheinlich viel mehr aufbringen, um auf den gleiche Zielbetrag zu kommen, als wenn sie ihr Geld breit gestreut etwa in Aktien anlegt“.

Allerdings stehen die Chancen zwar gut, dass ein Sparplan in Aktienfonds nach 20 Jahren besser abschneiden wird als Festgeld, aber sicher ist das nicht, ergänzt Nauhauser. In der Vergangenheit wären Anleger mit einem günstigen Sparplan bei einer Anlage in weltweite Aktien nach 25 Jahren meist besser und nach 35 Jahren immer besser gefahren als mit sicherem Festgeld.

Für die Rente sparen mit einem ETF-Sparplan

Wie lassen sich also die Chancen der Aktienanlage für die Altersvorsorge nutzen? Hier rät Nauhauser zum Sparen mit ETFs (Exchange traded Funds) – an der Börse gehandelten Fonds, die einen Aktienindex abbilden. Denn: Um in 25 Jahren auf eine Summe von rund 35.000 Euro zu kommen, müsste Martina Häuser in Festgeld jeden Monat 116 Euro anlegen, da hier aktuell praktisch keine Zinsen gezahlt werden. Bei einem ETF-Sparplan mit einer zukünftigen Rendite von 4 Prozent sind es nur 68 Euro.

Und 4 Prozent Rendite sind dabei schon recht vorsichtig kalkuliert; in der Vergangenheit waren an den Aktienmärkten durchaus höhere Renditen zu holen. ETFs sind vergleichsweise risikoarm, weil sie einen Aktienindex abbilden, in dem viele verschiedene Unternehmen notiert sind. Im MSCI World Index sind mehr als 1.600 Unternehmen aus 23 Ländern enthalten, die Anlegern aktuell eine jährliche Dividende zahlen, die rund zweieinhalb Prozent des Kurswertes ausmacht.

Das Risiko, dass Anleger hier ihr gesamtes Geld verlieren, ist praktisch ausgeschlossen. „Aber einen Kursrutsch von höchstens 50 Prozent müssen Anleger schon aushalten können“, sagt Nauhauser. Und selbst wenn es an den Märkten zu Turbulenzen käme: Zum einen folgte bislang nach jedem Kurssturz auch wieder ein Aufschwung, und der größte Teil des Einkommens von allen gesetzlich Versicherten wird im Alter ohnehin die sehr sichere gesetzliche Rente ausmachen. Der Anteil der Rente aus Kapitalvermögen an Martina Häusers gesamter Rente bleibt gering.

Zielbetrag von 35.000 Euro
Rendite/Zinsen und Geldanlage Monatliche Sparrate
0% (Festgeld) 116 Euro
4% (ETF-Sparplan) 68 Euro

Sparplan während der Rente weiter laufen lassen

Martina Häuser muss aber zu Rentenbeginn auch nicht das gesamte notwendige Kapital zur Verfügung haben. „Sie könnte einen Auszahlungsplan vereinbaren, so dass ihr Geld weiter im Depot bleibt und sie nur ihren monatlichen Bedarf ausgezahlt erhält. So kann das Geld im Depot weiter Erträge erzielen“, verdeutlicht Nauhauser. Dann muss sie bis zum Rentenbeginn auch nicht 35.000 Euro angespart haben. „Wenn sie während der Auszahlungsphase von 20 Jahren ab Rentenbeginn weiterhin Kursgewinne und Dividenden von im Mittel 4 Prozent erhält, müsste sie bis zu ihrem Ruhestand nur rund 25.000 Euro ansparen, um daraus die Auszahlung von 148 Euro zu bestreiten“, rechnet Nauhauser vor. Und dafür müsste sie ab jetzt bei 4 Prozent Rendite nur 49 Euro im Monat einzahlen.

Alternative: Später freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung

Seit 2017 hat Martina Häuser eine weitere Alternative: Sie kann ihr angespartes Kapital nutzen und ab ihrem 50. Geburtstag zusätzliche freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Die Rentenversicherung sei in Sachen Rendite zurzeit eine attraktive Alternative für Sparer, die Wert auf Sicherheit legen und das Geld auch nicht mehr verfügbar haben müssen, sagt Nauhauser.

Eine weitere Möglichkeit zum Sparen ist ein Mittelweg zwischen Risiko und Sicherheit: ein Pantoffel-Portfolio. Martina Häuser teilt ihre Sparrate auf und zahlt einen Teil in einen ETF-Sparplan und den anderen Teil in eine risikoärmere Anlage wie einen Rentenfonds oder ein Tagesgeldkonto.

Riester-Rente, so lange Kindergeld fließt

Eine Riester-Rente abzuschließen macht für Martina Häuser nur deshalb Sinn, weil ihre Kinder erst 10 und 12 Jahre alt sind. Sie wird also noch eine Weile Kindergeld beziehen – und deshalb auch Anspruch auf die staatliche Kinderzulage von 300 Euro pro Jahr und Kind haben. Die bekäme Zulagen von 775 Euro: zweimal die Kinderzulage von 300 Euro und 175 Euro Grundzulage.

Bei ihrem Verdienst von 2.431 Euro brutto müsste sie 1.246 Euro im Jahr einzahlen – kann davon die Zulagen aber abziehen. Sie muss also nur 500 Euro Eigenbeitrag zahlen. „Die Zulagenquote ist für sie vor allem in der Startphase ein gutes Renditeplus“, sagt Niels Nauhauser. Deshalb sollte sie die Riester-Rente mitnehmen, so lange die Zulage fließt – und derweil beobachten, was sich an Riester-Reformen tut. „Gute ertragsstarke Angebote gibt es aktuell nicht, am ehesten lohnen kann sich ein Riester-Fondssparplan“, rät Nauhauser.

Von einer betrieblichen Altersvorsorge rät der Experte hingehen ab: Wenn der Arbeitgeber nicht mindestens 30 Prozent der Beiträge zuschießt, lohne sich die Betriebsrente für Martina Häuser wegen der Abzüge im Alter nicht.

Fazit: 100 Euro im Monat sparen

„Martina Häuser könnte ihr Ziel schon mit 50 Euro im Monat erreichen, aber vieles ist auf so lange Sicht ungewiss. Ohne die kalkulierten Erträge von 4 Prozent pro Jahr müsste sie schon mindestens 100 Euro zur Seite legen“, lautet Nauhausers Fazit. Bei ihrem Nettogehalt von 1.600 Euro sollte beides machbar sein. 50 Euro könnte sie zunächst in den Riester-Fondssparplan stecken und weitere 50 Euro in einen ETF-Sparplan. Wenn die Kinderzulage ausläuft, kann sie die monatliche Sparrate zum ETF-Sparplan aufstocken.

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Autor

Katja Mathes