Altersvorsorge / 13.05.2019

Freibetrag bei Grundsicherung im Alter: Deshalb lohnt sich Altersvorsorge auch bei kleinem Einkommen

Auch wenn Sie damit rechnen, im Alter auf Grundsicherung angewiesen zu sein, kann sich zusätzliche Altersvorsorge für Sie lohnen. Ein Freibetrag sichert Ihnen bis zu 212 Euro zusätzlich – Tendenz steigend.

Bild zum Thema Freibetrag bei Grundsicherung im Alter: Frau sitzt auf dem Sofa mit Laptop und Taschenrechner.

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Für viele Geringverdiener und Teilzeitbeschäftigte ist Altersarmut nicht etwa eine unsichere Prognose, sondern eine sehr reale Zukunftsperspektive. Und private Vorsorge treffen die Betroffenen kaum. Das liegt zum einen schlicht daran, dass ihnen das Geld hierzu fehlt. Zum anderen haben Niedrigverdiener jedoch Sorge, dass sich die Zusatzvorsorge gar nicht lohnt, da sie später ohnehin auf die Grundsicherung im Alter – so nennt sich die Alters-Sozialhilfe – angewiesen sein werden. Und dabei müssen dann alle Einkünfte offengelegt werden.

Bis Ende 2017 war es tatsächlich oft so, dass zusätzliche Altersvorsorge auf die Grundsicherung angerechnet wurde. Ein Euro mehr an zusätzlichen Einkünften bedeutete früher eben gleichzeitig, dass ein Euro weniger Sozialhilfe bzw. Grundsicherung im Alter gezahlt wurde. Um gegenzusteuern, hat die Große Koalition 2017 einen Freibetrag in der Grundsicherung beschlossen. Sie wollte das „Signal setzen, dass sich freiwillige Altersvorsorge in jedem Fall lohnt“.

Freibetrag: Altersvorsorge lohnt sich

Seit 2018 müssen sich Geringverdiener keine Sorgen mehr machen, dass Altersvorsorge für die Katz wäre. Der Freibetrag macht Sparen fürs Alter auch für diejenigen interessant macht, die damit rechnen, im Alter auf die staatliche Grundsicherung angewiesen zu sein.

Dafür sorgt eine Regelung, die mit dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz verabschiedet wurde. In § 82 Abs. 4 und 5 des zwölften Sozialgesetzbuchs (SGB XII) wurde damals ein neuer Anrechnungsfreibetrag für zusätzliche freiwillige Altersvorsorge eingeführt.

Wie hoch ist der Freibetrag in der Grundsicherung im Alter?

Der Freibetrag wird dabei in drei Schritten ermittelt.

  1. Zunächst wird die Summe der Alterseinkünfte ermittelt, die auf zusätzlicher (also nicht verpflichtender) Vorsorge beruht.
  2. Für diese Zusatzvorsorge gilt zunächst ein Freibetrag in Höhe von monatlich 100 Euro. Sind die Ansprüche aus zusätzlicher Vorsorge nicht höher als 100 Euro, so ist also der komplette Betrag anrechnungsfrei. Das Sozialamt berücksichtigt den Betrag also nicht, wenn die Höhe der Sozialhilfe berechnet wird.
  3. Für diejenigen, deren Zusatzvorsorge-Einkünfte höher sind als 100 Euro, sind 30 Prozent des übersteigenden Betrags anrechnungsfrei.
    Beispiel: Die monatlichen Einkünfte aus zusätzlicher Altersvorsorge betragen 400 Euro. Davon sind zunächst 100 Euro anrechnungsfrei. Es verbleiben also 300 Euro. Hiervon sind (30 Prozent x 300 =) 90 Euro anrechnungsfrei. Insgesamt beträgt der Freibetrag in diesem Fall 190 Euro.

Wichtig noch: Der Gesamtfreibetrag darf höchstens 50 Prozent des Eckregelsatzes betragen. Dieser liegt 2019 bei 424 Euro. 50 Prozent hiervon sind 212 Euro.

Freibetrag gilt auch für Riester und Betriebliche Altersvorsorge

Dieser Freibetrag gilt nicht nur für Riester-Renten, sondern auch für betriebliche Altersvorsorge, und Basisrenten (auch Rürup-Rente genannt) sowie sonstige private Renten. Doch nicht nur das: Er gilt auch für den Teil der gesetzlichen Rente, der auf freiwilligen Beiträgen beruht.

Beispielfall Bert G.

Bert G. wohnt in Köln und ist alleinstehend. Er bezieht eine gesetzliche Rente in Höhe von 690 Euro netto – also nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Zusätzlich erhält er eine Betriebsrente in Höhe von netto 300 Euro (also ebenfalls unter Abzug der Sozialversicherungsbeiträge). Er lebt in einer 2-Zimmer-Wohnung, die 45 qm groß ist. Die Warmmiete beträgt 600 Euro – für Köln ein ziemlich normaler Preis, der auch vom Sozialamt als angemessen gewertet wird. Dass er mit Einkünften von 990 Euro kaum über die Runden kommen kann, dürfte bei dieser Miethöhe klar sein. Er beantragt deshalb zusätzlich Grundsicherung im Alter.

Bei der Berechnung seines Anspruchs stellt das Amt sein Einkommen und seinen Bedarf gegenüber. Sein komplettes Einkommen – Rente und Betriebsrente – wird zunächst zusammengerechnet. Insgesamt hat er monatlich 990 Euro zur Verfügung. Hiervon ist jedoch ein Teil der Betriebsrente nicht anrechenbar. Dies sind in diesem Fall 100 Euro plus (30 Prozent von 200 Euro =) 60 Euro, insgesamt also 160 Euro.

Sein anrechenbares Einkommen beträgt damit nur 830 Euro. Dem gegenüber stehen als „Bedarf“ seine Warmmiete (600 Euro) und der 2019 für einen Alleinstehenden geltende Regelbedarf in Höhe von 424 Euro. Sein Bedarf beträgt damit 1.024 Euro.

Die Lücke zwischen dem Bedarf und seinem Einkommen beträgt (1024 Euro minus 830 Euro =) 194 Euro. In dieser Höhe hat der Betroffene Anspruch auf Grundsicherung im Alter.

Anmerkung dazu: Dies gilt natürlich nur, soweit die sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind. Insbesondere darf der Betroffene nicht über verwertbares Vermögen im Wert von mehr als 5.000 Euro verfügen.

Was die Neuregelung für heutige Versicherte bedeutet

Natürlich ergeben sich für die Versicherten von heute (und Rentner von morgen) je nach Alter, Familienstand und finanziellen Möglichkeiten unterschiedliche Handlungsoptionen für die zusätzliche Altersvorsorge.

Klar ist für alle aber gleichermaßen: Das Standardargument gegen die private Vorsorge, dass man später ohnehin auf Grundsicherung angewiesen sein werde und dass sich die Vorsorge daher nicht lohne, zieht nach der Gesetzesänderung von 2018 nicht mehr.

Für Teilzeitkräfte, Mütter und Geringverdiener lohnt sich Riester

Gerade für Frauen, die lange Teilzeit gearbeitet haben und bisher nur geringe gesetzliche Rentenansprüche aufgebaut haben, kann die Neuregelung ein Startschuss zum Abschluss eines Riester-Vertrages sein. Solche Verträge lohnen sich insbesondere für Alleinerziehende oder Familien mit mehreren Kindern. So kann eine allerziehende Mutter mit zwei Kindern jährlich insgesamt 775 Euro an staatlichen Zulagen zu einem Riester-Vertrag erhalten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Betreffende förderberechtigt ist. (Siehe auch Riester-Rente: Wer hat Anspruch)

Dies gilt für alle diejenigen, die eine versicherungspflichtige Beschäftigung haben. Das kann auch ein rentenversicherungspflichtiger Minijob sein. Um die vollen Zulagen zu bekommen, müssen Sparer mindestens vier Prozent der Einkünfte, maximal 2.100 Euro, pro Jahr in ihren Riester-Vertrag einzahlen – abzüglich der Zulagen. Für Personen mit einem niedrigen Einkommen – wie Minijobber – gilt ein Mindesteigenbetrag von 60 Euro im Jahr, also fünf Euro im Monat.

Die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern aus unserem Beispiel kann sich demnach mit einem Eigenbeitrag von 60 Euro eine staatliche Zulage von 775 Euro sichern. Dies lohnt sich in jedem Fall. Wer einen Riester-Rentenvertrag 25 Jahre lang entsprechend füttert, kann später mit einer Zusatzrente von rund 100 Euro rechnen. Und fünf Euro im Monat können auch Geringverdiener für die Altersvorsorge erübrigen.

Tipp: Experten raten wegen der niedrigen Zinsen zurzeit übrigens zum Abschluss eines Riester-Fondssparplan. Welcher für Sie geeignet ist und was Sie beachten müssen, hat sie Stiftung Warentest im Riester-Test auf ihrer Internetseite zusammenstellt: www.test.de/

Weitere Informationen

Riester-Rente
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Altersarmut: Risikogruppen und Perspektiven
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Rentenansprüche von Geringverdienern: Wie kann die Grundrente helfen?
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Autor

Rolf Winkel