Rente / 19.08.2019

Teilzeitarbeit: Gift für die Rente

Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Frauen haben Teilzeitjobs. Für die spätere Rente ist Teilzeitarbeit meist Gift. Was Teilzeit für die Rente bedeutet, welche Sonderregelungen für junge Eltern gelten und wie die Rückkehr in einen Vollzeitjob organisiert werden kann.

Bild zum Thema Teilzeitarbeit: Gift für die Rente. – Frau mittleren Alters mit Brille steht in einem Lager vor einem Karton und liest einen Lieferschein.

Inhalt

Ein Teilzeitjob mit einem monatlichen Bruttolohn von beispielsweise 2.000 Euro – das sieht auf den ersten Blick nicht nach Armut aus. Aber: Für Frauen, die dauerhaft etwa auf diesem Niveau verdienen, ist Armut im Alter vorprogrammiert.

Ein Beispiel hierzu:

Simone ist 40 Jahre alt und Krankenschwester mit einer Dreiviertelstelle. Sie hat ein Gehalt von 2.000 Euro brutto im Jahresschnitt, insgesamt also 24.000 Euro. Für die Rente ist jeweils der Vergleich mit dem Durchschnitt wichtig. Rentenversicherte haben 2019 im Schnitt ein Bruttojahreseinkommen von 38.901 Euro (vorläufiger Wert). Die Krankenschwester verdient 61,7 Prozent dieses Durchschnitts (24.000 geteilt durch 38,901 Euro).


Wenig Einkommen = wenig Entgeltpunkte

Für die Rente bedeutet das: Simone erwirbt derzeit in einem Beschäftigungsjahr 0,617 Entgeltpunkte. Für ihre spätere Rente kommt es darauf an, wie viele Entgeltpunkte sie im Laufe ihres Berufslebens insgesamt auf ihrem Rentenkonto gesammelt hat.

Würde sie 40 Jahre in etwa auf diesem Niveau – gemessen jeweils am Durchschnitt – verdienen, so hätte sie 24,7 Entgeltpunkte auf dem Konto. Mit einem Kind käme sie noch auf zusätzliche 3 Entgeltpunkte (für Kindererziehungszeiten) und durch die Kinderberücksichtigungszeit (siehe weiter unten) kämen gegebenenfalls auch noch gut 2 Entgeltpunkte hinzu.

Rente knapp über Grundsicherungsniveau

Insgesamt hätte Simone so bei Renteneintritt etwa 30 Entgeltpunkte auf ihrem Rentenkonto. Beim derzeitigen aktuellen Rentenwert von 33,05 Euro pro Entgeltpunkte käme sie damit heute auf eine Bruttomonatsrente von etwa 990 Euro. Nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung würden ihr rund 880 Euro bleiben. Auch wenn die Rente der Krankenschwester – durch die jährliche Rentenanpassung – künftig steigen wird, relativ gesehen und nach dem Abzug der Inflationsrate wird ihre Rente sich etwa auf diesem Niveau bewegen.

Wenn man das mit der Grundsicherung im Alter – der Alterssozialhilfe – vergleicht, sieht man: Simones Rente würde nicht viel über dem Sozialhilfeniveau liegen. In Großstädten wie München und Stuttgart würde sie damit, beim dortigen Mietniveau, nicht über die Runden kommen.

Aufstocken und zusätzlich fürs Alter vorsorgen

Zwar ist Simone noch nicht im Rentenalter und in vielen Rentnerhaushalten gibt es mehrere Einkommen, dennoch macht die Rechnung deutlich: Besonders Arbeitnehmerinnen (aber natürlich auch ihre männlichen Kollegen), deren Einkommen in etwa auf dem im Beispiel skizzierten Niveau oder darunter liegt, sollten zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen, zum Beispiel über eine Riester-Rente und eine betriebliche Altersvorsorge. Und sie sollten sich – wenn möglich – im Hinblick auf ihre spätere Rente nicht auf Dauer mit einem Teilzeitjob begnügen.

Minijob – für die Rente ein Katastrophenfall

Gut 7,5 Millionen Minijobs zählte die Bundesagentur für Arbeit im Mai 2019. Knapp drei Millionen Jobs werden dabei als Nebenbeschäftigung zu einem sozialversicherungspflichtigen Hauptjob ausgeübt. Wenn es um die Rente geht, ist das oft weniger problematisch. Denn die eigentliche Absicherung bringt dann ja der Hauptjob.

Die Problemfälle sind die vielen Jobber, die den Minijob als einzige Beschäftigung ausüben – und das sind überwiegend Frauen. Gut 2,4 Millionen Frauen zwischen 15 und 65 sind – so heißt es in der Statistik der Arbeitsagentur – „ausschließlich geringfügig entlohnt“ beschäftigt.

Dazu kommentiert die Arbeitsagentur, „dass der minijobbende Part – meist die Frau – vom anderen ökonomisch abhängig wird und auch bei Zahlung der freiwilligen Beiträge kaum Rentenansprüche erwirbt“.

Nur geringe Rentenansprüche

Wie gering die erworbenen Rentenansprüche sind, macht die folgende Rechnung deutlich:

Nehmen wir an, eine Arbeitnehmerin übt 2019 das ganze Jahr über einen vollen Minijob mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 450 Euro aus. Sie hat sich – weil das eine Menge von Vorteilen bietet (siehe unten) – für die Rentenversicherungspflicht des Minijobs entschieden. Sie stockt daher den pauschalen Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent um 3,6 Prozentpunkte auf. Sie zahlt damit zusätzlich 16,20 Euro monatlich in die Rentenkasse und macht den Minijob so zu einer normalen rentenversicherungspflichtigen Beschäftigung.

Das rentenversicherungspflichtige Entgelt der Betroffenen beträgt damit 2019 insgesamt (12 x 450 =) 5.400 Euro. Das sind 13,88 Prozent des vorläufigen Durchschnittsentgelts aller Rentenversicherten im Jahr 2019. Oder in der Sprache der Rentenversicherung: 0,1388 Entgeltpunkte. Ein Minijob-Jahr würde nach dem aktuellen Rentenwert West später eine Brutto-Monatsrente in Höhe von 4,59 Euro bringen. Um eine einigermaßen auskömmliche Rente zu erhalten, müsste der Job rund 250 Jahre ausgeübt werden. Dann käme eine Bruttorente von rund 1.147 Euro zusammen …

Rentenbeiträge bringen trotzdem Vorteile

Würde die Jobberin die Rentenversicherungspflicht abwählen, so wäre ein Jahr mit einem 450-Euro-Job noch etwas weniger wert, es würde nämlich nach dem aktuellen Rentenwert nur ein Plus der Monatsrente von 3,70 Euro bringen. Wer es bei der Rentenversicherungspflicht belässt, erwirbt also etwas höhere Rentenansprüche.

Wichtiger ist jedoch, dass die Minijob-Zeit dann als vollwertige Versicherungszeit gilt – zum Beispiel, wenn es darum geht, die für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte notwendigen 45 Versicherungsjahre oder die für andere Frührenten geforderten 35 Versicherungsjahre zu erfüllen.

Rentenversicherung wertet niedrige Verdienste auf

Teilzeitarbeit ist nicht immer Gift für die Rente. Eine gewisse Zeit können sich Frauen durchaus eine Teilzeitbeschäftigung „leisten“, ohne große Abstriche bei der Rente befürchten zu müssen, jedenfalls dann, wenn sie ein oder mehrere Kinder haben.

Es geht um die Zeit bis zum 10. Geburtstag ihres Kindes, für Frauen mit mehreren Kinder: bis zum 10. Geburtstag ihres jüngsten Kindes. Die Rentenversicherung wertet diese Zeit als Kinderberücksichtigungszeit. Gemeint sind damit nicht die so genannten Kindererziehungszeiten, die Müttern (aber auch erziehenden Vätern) für die Zeit bis zum 3. Geburtstag ihrer Kinder pro Jahr bis zu einem Entgeltpunkt bringen. Es geht vielmehr um die sieben Jahre zwischen dem 3. und 10. Geburtstag des Kindes bzw. der Kinder. Versicherungszeiten mit niedrigem Entgelt können in dieser Zeit um 50 Prozent aufgewertet werden, maximal aber auf 1 Entgeltpunkt.

Von dieser Aufwertung profitieren auch Mütter mit einem Minijob – aber nur, wenn sie es bei der Rentenversicherungspflicht des Jobs belassen. In diesem Fall kann ein voller 450-Euro-Job für die Rente wie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einem monatlichen Bruttoentgelt von 675 Euro gewertet werden.

Kindererziehung erhöht Rente

Für unser oben durchgerechnetes Krankenschwester-Beispiel sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

Bei einem monatlichen Bruttoentgelt von 2.000 Euro erwirbt Simone in diesem Jahr 0,617 Entgeltpunkte. Eine Aufwertung um 50 Prozent würde ihr zusätzlich 0,308 Entgeltpunkte bringen. Das würde ihr – legt man wieder den aktuellen Rentenwert der alten Bundesländer zugrunde – für ein Beschäftigungsjahr eine um rund 10,20 Euro höhere Monatsrente sichern. Noch wichtiger: Sie würde damit Rentenansprüche erwerben, die schon fast auf dem Durchschnittsniveau aller Versicherten liegen.

Doch klar: Das gilt nur für die allzu schnell vorbei gehende Zeit bis zum 10. Geburtstag des jüngsten Kindes. Und: Vorausgesetzt ist dabei eine relativ gut entlohnte Teilzeitbeschäftigung.

Zurück in den Vollzeitjob: Welche Rechtsansprüche Frauen in Teilzeit haben

In manchen Fällen haben Frauen nach einer Arbeitszeitverkürzung Anspruch auf eine Rückkehr in den vorherigen Job mit längerer Arbeitszeit. Dies gilt häufig nach der Eltern- oder Pflegezeit. Für andere Frauen bietet die neue Brückenteilzeit entsprechende Möglichkeiten. Und nicht zu vergessen: Wenn im Betrieb, in dem sie arbeiten, eine Vollzeitstelle frei wird, für die sie qualifiziert sind, haben Frauen (aber auch Männer in Teilzeit) Anspruch, bei der Besetzung dieser Stelle bevorzugt berücksichtigt zu werden.

Einen kompakten Überblick über diese Möglichkeiten finden Sie hier:

Brückenteilzeit und andere Teilzeit-Varianten: Diese Rechte haben Arbeitnehmer

Autorenbild

Autor

Rolf Winkel